ein Beweis dafür, in welchem Ausmaß die Museumsleitung dieZeit zu nutzen verstanden hatte. Daran hatten Teilnehmer undMitarbeiter dieser Expeditionen redlichen Anteil, den sie wieErnst Neweklowsky, Richard Kühnelt und Ludwig Führer zumTeil auch in eigenen Berichten kundgaben. Kaum zu eineranderen Zeit wäre beispielsweise die Sammlung der albanischenTrachten anzulegen gewesen, an der neben Arthur Haberlandtund Leopold Forster auch der Generalkonsul in Skutari TheodorLippich von Limburg oder der Graf Franz Revertera beträcht-lichen Anteil hatten. Man konnte die Erwerbungstätigkeit bisnach Mazedonien, ja bis Bulgarien ausdehnen, das Museumbereicherte sich in einer kaum geahnten Weise mit diesemMaterial aus dem Südostraum, der knapp vorher wissenschaft-lich so gut wie unbekannt gewesen war.
Vielleicht muß man eingedenk anderer Vorfälle in Kriegs-zeiten noch zu dem Kapitel sagen, daß alle diese Erwerbungendurchaus korrekt vor sich gegangen sind. Die Fachleute derBalkanländer unterstützten vielfach die Sammlungen der WienerKollegen, mit denen sie schon aus der Friedenszeit in fach-lichen Beziehungen standen. Überprüft man beispielsweise dieErwerbungen in Serbien, so findet man, daß sie bereits 1910mit Ankäufen bei dem Händler S. Paskovich in Belgrad be-gonnen hatten. In Belgrad befand sich seit 1901 ein eigenesEthnographisches Museum, das die Volkskultur des serbischenVolkes innerhalb und außerhalb des Königreichs Serbien dar-zustellen versuchte. 1909 hatte es der große Wiener Haus-forscher Anton Dachler besucht, und die Beziehungen dorthinwaren nicht mehr abgerissen. Trachtenstücke, Schmuck, aberauch Ostereier waren noch vor dem Krieg von dort erworbenworden, ab 1913 unterstützte der Direktor des Belgrader Muse-ums, S. Trojanović, die Wiener Erwerbungsbestrebungen, be-sonders durch die Vermittlung von Stickereien aus KossovoPolje. Ähnlich war es überall, und die guten Beziehungen setz-ten sich noch jahrzehntelang fort. Die Wiener Arbeiten, ins-besondere die Veröffentlichungen Arthur Haberlandts, wurden
5 Schmidt, Volkskundemuseum
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