Die Möglichkeit der Verwirklichung der ersten Aufstellungbot sich, als den Gründern ein beachtlicher Raum zur Verfügunggestellt wurde. Es handelte sich um den großen Saal im Ge-bäude der Börse am Schottenring, in dem vorher ein„, Handels-museum" des Handelsministeriums eingerichtet war. Dieses nichtganz befriedigende Museum wurde zunächst verlegt, dann ganzaufgelöst. Der Raum, ein einziger mächtiger Saal, stand zurVerfügung, und die Gründer griffen zu. Man kann sich heutenur mehr schwer vorstellen, daß eine volkskundliche Sammlungin einen Saal eines derartigen Ringstraßenpalastes einzuziehenvermochte, eines gewollten, protzigen Baues, bei dem auch derName seines Architekten, des großen Theophil Hansen, nichtdarüber hinweghilft, daß der größte Teil der Räume eigentlichunbrauchbar ist. Bezeichnenderweise ist diese„ Börse" auchspäter jahrzehntelang nicht ihrem Widmungszweck entsprechendverwendet worden. Aber der große Saal des Handelsmuseums,mit dem Zugang von der Wipplingerstraße her, war nun ebenfrei und die Gründer griffen zu. Sie scheuten nicht vor der Höhedes Saales zurück, nicht vor den hohen Bogenfenstern mit demAusblick auf den Börseplatz, nicht vor den pseudoklassischenSäulen und überhohen Türen; sie freuten sich, aus den beengtenDepots heraus überhaupt einmal zu einem Ausstellungsraum zukommen. Freilich mußten sie sich selbst zugeben, daß der Raumschon beim ersten Einräumen sich als„, fast zu klein" erwies.Mit etwa sechstausend Objekten kamen sie, und in vier Jahrenwaren es dann schon zwölftausend, was sie ja auch voraussahenund wollten.
Aber sie mußten zugreifen, und sie taten es nunmehr nachbestem Wissen und Können. Die Aufstellung war, wenn manvon den alles überragenden Säulen mit ihren prunkvollen Ka-pitälen, von den klassischen Türbekrönungen und ähnlichenraumgebundenen Schrecknissen absieht, dem Wesen der Samm-lung, wie man sie eben erstellt hatte, sehr angemessen. Wasman an Stuben, an Möbeln, zusammengetragen hatte, das kon-zentrierte man in einer großen Freiaufstellung in der Mitte. Ein
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