der auf: Weinhold, Schlesier wie Hauptmann, verwandelte dieseZeitschrift für Völkerpsychologie in die„ Zeitschrift des Ver-eines für Volkskunde", jener von ihm gegründeten Gesell-schaft, die nunmehr ein halbes Jahrhundert Hauptträgerin allerdiesbezüglichen Bestrebungen bleiben sollte. Gleichzeitig damitversuchte man es mit der Gründung eines Volkskundemuseumsin Berlin. 1889 wurde privat dieses ,, Museum für DeutscheVolkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes" gegründet,das wiederum ein eigener Verein, der„ Verein des Museumsfür Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes", 1891,tragen mußte. Der anthropologisch- ethnographisch hochinter-essierte Rudolf Virchow trat an seine Spitze. Er unterschriebauch den für die Zeit und für die Museumsgründung so überauscharakteristischen Satz des Vorwortes zum ersten Band ,, Mit-teilungen" dieses Museums, der 1897 erschien:„ Die wenigenaus früheren Zeiten erhaltenen nationalen Eigentümlichkeitendes Volkes nehmen in erschreckender Schnelligkeit ab." Es istder Geist der Rettung in letzter Stunde, der in den folgendenJahrzehnten immer wieder beschworen werden sollte. Man siehtein Ende vor sich, hält es für das Ende einer Kultur und läßtsich nur ungern von feinfühligen Ästheten sagen, es sei nur das,, fin de siècle." Man stellt gewissermaßen von zwei Seiten herdie gleiche Erscheinung fest, einmal schmerz- und einmal lust-betont. In der Freude an den altüberlieferten Dingen, vor alleman der alten Volkskunst, treffen aber die so weit voneinanderentfernten Geister überraschend schnell zusammen.
Ungefähr zur gleichen Zeit wie in Berlin erfolgen weitumähnliche Gründungen. Während die meisten lokalen Museenjedoch zunächst nur zu örtlicher Bedeutung gelangen, strebt dasBerliner Museum größere Geltung an. Obgleich von viel lokalerUngunst verfolgt, vermag es allmählich doch zum ,, StaatlichenMuseum für Deutsche Volkskunde" weiterentwickelt zu werden.Freilich nur für wenige Jahre, um dann in den Wirbeln deszweiten Weltkrieges für längere Zeit ganz unterzugehen.
Aber die Berliner Anregungen gehören doch zweifellos zu den
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