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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
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Ossis und Ösis

Beziehungen zwischen der DDR und Österreich

Wenn zwei den gleichen Feind haben, können sieschnell gute Freunde werden. Bei Österreichern undOstdeutschen ist, gelinde gesagt, der Westdeutschenicht überaus beliebt. Zu laut, zu herrisch. Piefke"wird er despektierlich bei den einen, Wessi" bei denanderen genannt.

Auch auf dem Gebiet der Alltagssprache sind sich dieOstdeutschen und Österreicher ganz nahe. Da heis-sen sie kurz Ossis und Ösis. Bloẞer Zufall oder eineÄhnlichkeit mit signifikanter Bedeutung?Österreich spielte in jedem Fall eine zentrale Rolle inder Geschichte der DDR einmal bei der Anerken-nung des ersten deutschen Arbeiter- und Bauern-staats" und dann bei dessen Untergang.

Die Staatsbesuche von Bruno Kreisky im Jahr 1978und von Rudolf Kirchschläger im Jahr 1983 waren dieersten offiziellen eines Bundeskanzlers und einesStaatsoberhaupts aus dem westlichen Ausland in derDDR. Sie hatten damals so etwas wie eine Damm-bruchfunktion, halfen der DDR, ihre außenpolitischeIsolierung zu durchbrechen und schließlich als sou-veräner deutscher Staat auch von den westlichenLändern anerkannt zu werden.

Im Gegenzug stattete der Partei- und Staatsratsvor-sitzende Erich Honecker 1980 Österreich einenBesuch ab auch dies sein erster Auftritt im Westen.Die Stadt Salzburg überreichte ihm damals alsBegrüßungsgeschenk einen Kristallpokal, der inzwi-schen in die Sammlung des Deutschen Historischen

Museums, Berlin, aufgenommen wurde.Im Jahr der Wende 1989 war Österreich für vieleDDR- Bürger gleichsam das Tor zur freien Welt". Sienutzten die undicht gewordene ungarisch- österreichi-sche Grenze als Schlupfloch zur massenhaftenFlucht. Unvergessen die Fernsehbilder von den Trabi-Kolonnen, die über unsere Autobahnen gen West-Deutschland rollten.

Kurz bevor die DDR abdankte, schrieb BundeskanzlerDr. Franz Vranitzky noch in Aspekte", der Zeitschriftder Gesellschaft Österreich- DDR, 3/89: Österreichhat sich stets um gute politische, wirtschaftliche undkulturelle Beziehungen mit der DDR bemüht." Undfast ganz im Duktus der offiziellen DDR- Berichter-stattung fuhr er fort: Wir können die hervorragendeZusammenarbeit zwischen Österreich und der DDRmit Zufriedenheit betrachten. Die ungebrochene Ver-festigung und Vertiefung der beiderseitigen Bezie-hungen der letzten Jahre läßt eine zusätzliche Dyna-mik für 1989 erwarten." Doch dann fiel die Mauer,und alles wurde anders...

Die DDR war aus Sicht der österreichischen Bundes-regierung ein souveräner Staat, zu dem sie, amBoden der Neutralität stehend, normale Beziehun-gen" zu unterhalten bestrebt war. Einzelne Städteschlossen Partnerschaftsverträge, so Salzburg mitDresden, Klagenfurt mit Dessau, Steyr mit Plauenund Linz mit Halle.

Die offizielle DDR stellte Österreich gerne als eine Art

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Kristallkelch,

Geschenk der Salzburger Landesregierungan Erich Honecker, 1980

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