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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
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Rückzug in die Nischen

Die kleinen und großen Freuden abseits der Erwerbsarbeitund der gesellschaftlichen Aktivitäten

1989 hatten, laut Statistischem Jahrbuch 1995, von100 DDR- Haushalten nur 47,5 einen Gefrierschrank,aber immerhin 96,2 einen Fernsehempfänger. Plan-soll jedenfalls in diesem Bereich erreicht, könnteman sagen. Fernsehschauen gehörte- nicht andersals im Westen- zu den liebsten Freizeitvergnügun-gen des DDR- Bürgers. Mit dem Fernsehgerät konn-te er sich den Westen quasi ins Wohnzimmer holen- wenn schon Reisen in das sogenannte Nichtsozia-listische Wirtschaftsgebiet schwierig bis unmöglich

waren.

Die Einfuhr von Druckerzeugnissen" aus demWesten war per Gesetz streng verboten- und in derTat konnte die Staatsmacht sie durch Kontrollen ander Grenze fast vollständig unterbinden-, gegen dieInvasion der Funkwellen über die Mauer hinweg zeig-te sie sich dagegen recht machtlos.

In den sechziger Jahren kletterten noch FDJ- Brigadenim Rahmen der Aktion Blitz- gegen Nato- Sender"über die Hausdächer, um die westwärts gerichtetenAntennen umzudrehen oder abzubrechen. Späternahmen die Machthaber geradewegs fatalistischdiese besondere Vorliebe ihrer Bürger hin. War jadoch nicht zu unterbinden, das West- Fernsehen,erkannten sie. Wer es empfangen wollte, fand immerMittel und Wege, und sei es in der Konstruktion einerüberdimensionierten Zimmer- Antenne, die hinterdem Vorhang versteckt wurde.

Es wäre ein leichtes gewesen, die Produktion vonFernsehgeräten durch Planvorgaben stark einzu-schränken. Doch das hätte nur für Unzufriedenheitund Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Also gab dieObrigkeit nach. Ja, sie ging sogar soweit, offiziell Zu-satzgeräte zuzulassen, sogenannte Tuner, mit derenHilfe heimische SECAM- Farbgeräte auch das westli-che PAL- System in satten Farben und nicht längereinem verschwommenen Schwarz- weiß empfangenkonnten. Blieb als Hürde noch der relativ hohe Preis:ein gutes Farbfernsehgerät kostete rund 5000 Mark-das waren etwa fünf Monatsgehälter.,, Vor allem westliche Unterhaltungssendungen undSerien erreichten hohe Beachtung.' Der große Preis'mit Wim Thoelke beispielsweise hatte nach Schätzun-gen Einschaltquoten von 60 bis 70 Prozent, und auchamerikanische Seifenopern wie' Dallas' und' Denver'zählten zu den Höhepunkten vieler Fernsehabende.Viele Sendungen des DDR- Fernsehens, vor allem sol-che mit politischem Inhalt, erfreuten sich dagegengeringer Beliebtheit. Nach Schätzungen sahen z.B.weniger als 10% der Fernsehzuschauer in der DDRdie' Aktuelle Kamera'.' Unpolitische' Eigenproduktio-nen wie ein' Kessel Buntes' erhielten allerdingsdamals wie heute großen Zuspruch", schreibt KlausSchroeder, der an der Freien Universität Berlin denForschungsverbund SED- Staat gegründet hatte.( Schroeder, 1998; 576)

Wohnzimmer

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