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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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I.

Seit 1990 liegt ein kleines Stück Mauer" auf meinem Schreibtisch. Es wurde mir anläßlich der Ausstel-lung ,, Schilder- Bilder- Moritaten" im Österreichischen Museum für Volkskunde von einem( Ost-) BerlinerKollegen als Geschenk mitgebracht. Wir wußten es damals sehr zu schätzen, daß das Museum für Volks-kunde in Berlin/ Ost gleich nach der Öffnung der Grenzen die Gelegenheit ergriff, diese interessante Aus-stellung nach Wien zu bringen. Es waren jene Wochen und Monate, in denen sich die politischen Ereig-nisse im kommunistischen Teil Europas überstürzten und wir Zeugen weltpolitischer Veränderungen wur-den. Der Fall der Mauer bildete dafür nur das äußere Symbol.

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Zehn Jahre danach gehören die Ereignisse der Geschichte an. Ebenso wie das Museum für Volkskundein Ost- Berlin, das zufälligerweise in den Tagen der Maueröffnung sein 100jähriges Jubiläum mit einerexzeptionellen Ausstellung² und mit einem internationalen Symposium³ feierte. Es wurde- wie die bei-den deutschen Staaten- mit dem Museum für Volkskunde- Preußischer Kulturbesitz 1991 wieder zujener Einheit zusammengefügt, die es vor 1945 war: zum Museum für Volkskunde bei den StaatlichenMuseen zu Berlin- Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Inzwischen ist auch dieses Museum Geschichte,denn es wandelte sich- vermehrt um die europäischen Bestände des Völkerkundemuseums- zu einemMuseum Europäischer Kulturen.4

Zu einem historischen Dokument geriet auch das in den Novembertagen 1989 abgeschlossene, vom( inzwischen ebenfalls aufgelösten) Institut für Gegenwartsvolkskunde der Österreichischen Akademie derWissenschaften herausgegebene Verzeichnis der Volkskundler in der Deutschen Demokratischen Repu-blik heute" 5. Dieses in den letzten Tagen der DDR fertiggestellte Bio- Bibliographische Lexikon zeugt davon,daß beide Seiten trotz Trennung bemüht waren, die kollegial- fachlichen Beziehungen aufrecht zu erhaltenund enger zu knüpfen. Niemand ahnte freilich, daß sich die Situation so rasch ändern würde. Wie beimMuseum sieht auch die Volkskundler- Landschaft in den neuen Bundesländern heute völlig anders aus.Von Wien aus haben wir an der Jahreswende 1989/90 jedenfalls versucht, die sich überstürzenden Ereig-nisse so gut es ging zu beobachten und zu dokumentieren. So erschienen in der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde im ersten Heft des Jahrganges 1990 unter dem Titel, Grenzüberschreitungen" drei

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