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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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Uniformes Muster

Die Frauen waren in der DDR ständiger Doppelbelastung ausgesetzt

Etwas müde wirken sie, die Frauen, die Helga Paris1984 in der Bekleidungsfabrik Treff- Modelle fotogra-fiert hat. Von der Arbeit gezeichnet. Sie schauen älteraus als sie tatsächlich sind. Und dennoch: Der vor-herrschende Eindruck ist nicht Abgespanntheit, son-dern so etwas wie natürliche Souveränität.Diese Frauen wissen um ihre Stärke. Sie brauchensich nicht zu behaupten. Ihr Blick strahlt Selbstbe-wußtsein aus. Ihnen braucht niemand was zuerzählen. Sie wissen Bescheid.

Keine von den Frauen hat sich für das Foto extraschön gemacht. Zum einen mag ihnen dazu die Zeitund die Muße gefehlt haben, zum anderen habendiese Frauen das aber offensichtlich auch gar nichtnötig. Sie wollen nicht mehr scheinen, als sie sind.In ihrem Ausdruck ist nichts Kämpferisches, schongar nicht mit feministischer Stoßrichtung. Aber wehe,es kommt ihnen einer blöd! Dem sagen sie, wasSache ist!

,, Nichts war für die DDR so typisch wie die` DDR-Frau", schreibt Jaqueline Henard in der FrankfurterAllgemeinen Zeitung"( 8. August 1992). Die DDR-Frau" war berufstätig und zugleich Mutter von zweiKindern. Sie stand in aller Frühe auf, um vor Arbeits-beginn ihre Kleinen in den Kindergarten zu bringen,und erledigte am Abend den Einkauf. Sie arbeitete imBetrieb und machte in der Wohnung die Hausarbeit.Nicht zu vergessen die gesellschaftliche Aktivität, die

auch von ihr erwartet wurde.

Die Frau in der DDR war einer ständigen Doppelbela-stung ausgesetzt. Oft war sie auch auf sich selbstgestellt, da die Scheidungsrate sehr hoch war. ZumAusspannen und Abschalten blieb da wenig Zeit. DasBad, in dem alle Funktionseinheiten auf engstemRaum untergebracht waren, war mehr ein Ort zurschnellen Reinigung denn zum Wohlfühlen. Fliesengehörten, da praktisch nur über Beziehungen zubekommen, zu den Prestige- Objekten.( Achtung:,, Blaue Fliesen" war die Umschreibung für Westgeld.)Viel Arbeit, wenig freie Zeit. Typisch für die, DDR-Frau" war ein in viele Zwänge eingespanntes Leben,das sich zudem- um als Beispiel bei der Textilbran-che zu bleiben- durch ein hohes Maß an Uniformitätauszeichnete.

,, Jedes zweite Kostüm und jeder dritte Anzug aus derProduktion unseres Betriebs prägt heute die Beklei-dungsmode in unserer Republik", steht stolz in derFestschrift vom VEB Textilkombinat Cottbus zum 30.Jahrestag der DDR. Die Jubelmeldung läßt den all-täglichen Schrecken erahnen. Wenn Abwechslungdie Würze des Lebens ausmacht, so stand es nichtgut um sie in der DDR.

10 Jahre zuvor hatte der Cottbuser Betrieb ein neuesTextil entwickelt: Präsent 20". Just zum 20. Jahres-tag der DDR daher auch die Namensgebung. Fürden Gabentisch der Republik.

Im Großrundstrickverfahren und aus synthetischenFasern hergestellt, bedeutete diese Neuentwicklung

Badezimmer

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