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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
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Platten nach Plan

Wohnbauprogramm war in der DDR zugleich Sozialprogramm

Wohnungen für die, die sie erbaut haben: die Werk-tätigen! Und zwar keine bloßen ,, Mietskasernen wieim Westen", sondern wahre Wohnpaläste", mitTelefon, Fahrstuhl, Müllschlucker, Parkett und Portier.Licht und Luft für die neuen Herren im Lande!

Es sollte alles besser werden in dem sich neu konsti-tuierenden Arbeiter- und Bauernstaat". Die DDRschuf in den Nachkriegsjahren mitten in Berlin die, Stalinallee"- einen großen Wohnkomplex mit meh-reren mindestens 200 m langen Baublocks über eineGesamtlänge von 2,3 km. Eine Musteranlage sozusa-gen, inmitten einer Trümmerlandschaft, wie Phönixder Asche entstiegen. Sie sollte vom Aufbruch in einelichte Zukunft künden.

, Was sich nie mehr in späteren Jahren der DDR indiesem Maße wiederholte, das gab es in diesem Jahrdes Nationalen Aufbauprogramms: eine mitreißende,hoffnungsvolle Bereitschaft der Bevölkerung zur kol-lektiven Tat für ihre Stadt, für ihr Leben in dieser ihrerStadt", schreibt der Berliner Architekturkritiker BrunoFlierl.( Flierl, 1998; 22) Viele halfen ehrenamtlich, derLohn hieß Hoffnung und Zuversicht". Brecht undBecher schrieben der Allee Verse.

Anfang der sechziger Jahre waren die Bauarbeitender Stalinallee" abgeschlossen. Ein monumentalesBauwerk, mit Mietpreisen, die auf Vorkriegsniveaueingefroren waren: der Quadratmeter zu einer Mark.Die steinerne Utopie einer klassenlosen Gesellschaft.Allein, dieser Großbau sollte mehr oder weniger ein

Einzelfall bleiben. Zu aufwendig, zu teuer, um alsModell für das ganze Land zu gelten. Paläste für dieArbeiter, auf deren Dachgärten die Hausgemein-schaften nach des Tages Arbeit tanzen, blieb einschöner, aber unerfüllbarer Traum.

Ironie der Geschichte: Die Stalinallee", derenStraßenzug im übrigen, nachdem der sowjetischeDiktator in Ungnade gefallen war, 1961 in Karl- Marx-und Frankfurter Allee umbenannt worden war, wurde1990 von einer Wiesbadener Bank gekauft. Eine derwenigen Hinterlassenschaften der DDR, die nichtentsorgt wurden und auf dem Müllhaufen derGeschichte landeten. Ganz im Gegenteil, das Bau-werk wurde zum europäischen Baudenkmal erklärt.Einstigen Bauarbeitern mag es heute noch das Herzbrechen, daß ihr" Bau in den Besitz des jahrelangbekämpften Klassengegners übergegangen ist. Seitder Wende wandelt sich nun mehr und mehr dasGesicht der Straße, es ensteht ein Boulevard, der anHerrlichkeit der Pariser Champs- Élysées nicht nach-stehen möchte.

Mit einem anderen realsozialistischen Relikt, das zumeigentlichen ,, Signum für das Leben in der DDR"( derHistoriker Stefan Wolle) geworden ist, haben dieneuen Herren weit weniger Freude: den Plattenbau-wohnungen, diesen aus vorgefertigten Betonelemen-ten zusammengesetzten Häusern, die in dem ganzenLand hochgezogen wurden. Die ältesten sind geradedreißig Jahre alt, doch bereits in einem kritischen

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