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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
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50 Jahre DDR

Runderneuerte Geschichten vom Alltag

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Beide Deutschländer hatten sich gut in ihrer jeweiligen Staatlichkeit eingerichtet, beide hätten es 1990wohl lieber gehabt, wären sie weiterhin getrennte Staaten geblieben: ins andere Land reisen zu können,überhaupt frei reisen zu können- das wäre es wohl gewesen. Inzwischen haben sich Geschichten überdas Leben ,, früher" herausgebildet. Die neue Bundesrepublik- sie ist größer, nördlicher und, vom Milieuher, protestantisch- preußischer geworden- lebt im Westen mit der Geschichte vom alten Wohlstand-und im Osten erzählt man sich Geschichten von Antifaschismus, menschlicher Wärme und Solidarität.Immerhin: 42% der Bewohner fanden 1999 das Leben in der DDR, dem, Ersten Arbeiter- und Bauern-staat auf deutschem Boden", schöner als heute in der vereinigten Bundesrepublik.,, Soffjetzone" sagte in den 50er Jahren- die DDR gab es schon- Konrad Adenauer, wenn er von der, soamtlich, SBZ( Sowjetische Besatzungszone) sprach; Unrechtsstaat' DDR"'" schrieb die BILD- Zeitung undsetzte das DDR beharrlich in Anführungszeichen, um klarzumachen, daß diese DDR, der, zweite deut-sche Staat" so hieß er dann in den 70er Jahren in den Zeiten von Willy Brandts ,, Wandel durch Annähe-rung", kein wirklicher Staat war. Mit dem Wort Phänomen" hat sich in den späten 60er Jahren derKanzler Kurt Georg Kiesinger geholfen, um die völkerrechtliche Bedenklichkeit der DDR zu charakterisie-ren: die Präambel des Grundgesetzes sah ja die Wiedervereinigung vor. Die Republik Österreich hat übri-gens die DDR schon früh völkerrechtlich als Staat anerkannt.

1. Der Kampf um die Erinnerung

In der Rückschau wurde man aus einer oft unfreiwilligen Andersartigkeit in eine Anpassung unter west-liche Maßstäbe gezwungen. Damit wird das DDR- Leben zur verteidigungswürdigen Vergangenheiteiner eigenen Vergangenheit nämlich, immerhin, wie sehr sie auch von den Westlern als Verformung undals mit dem System des Nationalsozialismus vergleichbar kritisiert wird. Und wenn diese Westler zuwei-len auch gern 40 DDR- und 12 Nazi- Jahre einfach zu 52 Jahren Leben in der Diktatur addieren: die einewie die andere Vergangenheit nicht gelebt zu haben, wäre der Verlust dieses Lebens- denn es wäre derVerlust eigener Identität.

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