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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
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Alltagskultur zwischen Erinnerung, Augenschein und Erwartung

,, Ich habe Sie nur ins Museum gelockt,um mit Ihnen einmal ungestört über dieGegenwart sprechen zu können."

Die ,, Vier im Jeep" ziehen am 1. April des Jahres 2000 aus Österreich ab, umjubelt von der Bevölkerung,der es, durch den beispiellosen Mut des Ministerpräsidenten angespornt, gelingt, das ungerechte Besat-zungsregime zu vertreiben.- Dieses Szenario breitet der Regisseur Wolfgang Liebeneiner in seinem 1953entstandenen Film ,, Wien 1. April 2000" aus, eine Manifestation rot- weiß- roter Identitätsfindung im futu-ristischen wie im historischen Kostüm.

Zu Zeiten eines kritischen Gesellschaftsdiskurses wäre der Film wohl ein Fall für das Bellaria- Kino gewe-sen. Was an dieser Stelle jedoch eher interessiert, ist die Vorstellung, Österreich hätte tatsächlich 55Jahre unter dem Besatzungsregime der vier Alliierten Siegermächte gestanden, der Staatsvertrag wäre1955 aus irgendwelchen Gründen nicht zustande gekommen, das Land wäre wie Deutschland geteiltworden. Hätte sich der Osten Österreichs ähnlich entwickelt wie die DDR?

Vor diesem Hintergrund eröffnet sich eine ganze Vorstellungswelt und die folgenden Anmerkungenmögen als Anregung dienen, das selbstverständlich Erscheinende des historischen Verlaufs einmal ver-suchsweise infrage zu stellen.

I.

Die Ausstellung ,, Leben in der Platte. Alltagskultur der DDR in den 70er und 80er Jahren" findet in derim VIII. Bezirk gelegenen Laudongasse statt, Amerikanischer Sektor von Wien. Im Vorfeld der Ausstel-lung finden intensive interalliierte Verhandlungen über den Inhalt des Projekts statt: immerhin sieht dieeine Besatzungsmacht darin die Präsentation der sozialpolitischen Errungenschaften eines wirtschaftlichsehr fortgeschrittenen Bruderlandes, eine Gelegenheit, die langfristige Überlegenheit des eigenen Gesell-schaftssystems einer internationalen Öffentlichkeit zu dokumentieren, während die anderen Mächtezwar nicht grundsätzlich gegen eine sozialgeschichtliche Präsentation der von ihnen diplomatisch aner-

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