P2RS
3- Raum- Wohnung
Wohnzimmer
Vorraum
00
Küche
Bad
Kinderzimmer
Schlafzimmer
Berlin- Marzahn
Defizite wurden quälend bewußt: die Starrheit der Grundrisse, die Härte der Wände, an die man nicht einmaleine Kinderzeichnung zwecken konnte.
Die Häufigkeit der Hausfeten sank mit dem wachsenden Motorisierungsgrad. Gründerkrach.
Für mich hieß Wohnen in Marzahn immer auch Selbstversuch, war Experiment. Nie dachte ich daran, fürimmer bleiben zu wollen. Mich verwunderte, wie dauerhaft sich meine Nachbarn einnisteten in ihren betone-nen vier Wänden.
Am schlimmsten war die lange Fahrzeit zur Arbeit im Stadtzentrum. Durchschnittlich kostete mich das zweiStunden am Tag. Nun gut, ich verbrachte sie lesend oder reflektierend. Einmal am Tag war dieser Wegimmerhin verkraftbar- doch abends noch einmal ins Theater, zu Freunden im Prenzelberg? Das Wohngebietwar gewachsen und mit der Zeit alles Lebensnotwendige praktisch zur Hand: Kindereinrichtungen, Kaufhalle,Poliklinik, Kinderbibliothek, Klubgaststätte und Dienstleistungswürfel- aber wehe man brauchte einen grünenReißverschluß, ein Fahrradventil oder Vogelfutter. Dann mußte man schon eine Reise unternehmen.An den Orten endlosen Wartens bedrückte mich die Ödnis besonders. Architekten, schlaft ihr!? Soziologen,was tut ihr? Es liegt doch auf der Hand. Es fehlen Räume für wirkliche Kommunikation. Sie findet ja statt: aufden Fluren der Ämter, in den Wartezimmern der Kinderärzte und an den Haltestellen. Da trifft man die Lehre-rin, die Kinderärztin und die Kollegin aus dem Institut. Man würde schon mal einen Kaffee trinken miteinan-der. Doch kein Ort, nirgendwo(...)
Hain, Simone. Berlin- Marzahn. Vollkommen subjektiveBetrachtungen. In: Die Stadt als Gabentisch.Hrsg. Hans G. Helms, Reclam Verlag Leipzig 1992
Vorraum
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