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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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Die Menschen haben ihren Haushalt mit den auf dem DDR- Markt vorhandenen Geräten und Möbeln aus-gestattet. Das Leben vollzog sich im Kollektiv, etwa in der Gastronomie, wo man- vom Ober bis zur Toi-lettenfrau in der grellen Toilettenschürze- einer Brigade angehörte, deren Brigadebuch über das Lebenim Kollektiv Buch führte. Die Menschen haben ihre Urlaube in den Ferienheimen des FDGB( Freier Deut-scher Gewerkschaftbund) oder denen ihres Betriebes an der Ostsee, dem Meer des Friedens", imThüringer Wald oder im Erzgebirge verbracht. Sie sind ins befreundete sozialistische Ausland gereist undhaben dort vor allem an der Schwarzmeerküste und am Plattensee- auch ihre westdeutschen Ver-wandten treffen können. Sie haben sich dann geärgert, wenn diese- ihres besseren" Geldes wegen-zuvorkommend bedient wurden. Ins ,, westliche Ausland" durften nur wenige parteinahe Reisekader"und später Rentner; Ehepaare freilich nie gemeinsam, und Republikflucht" wie die Beihilfe dazu wurdenals Verbrechen geahndet.

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Die Ostler kannten den Westen nur aus dem Fernsehen, Reisen dorthin hat es so gut wie nicht gegeben,der anfangs fundamentalistische Antikommunismus des Westens hat die DDR auch wenig attraktivgemacht. Die DDR existierte als Konstruktion des Westens, als schlimme Gegenwelt:, Geh'n Sie dochnach drüben!"- das konnte, wenn die Argumente ausgingen, mundtot machen.

Geschichte wird in jeder Gegenwart neu geschrieben, und Geschichten werden stets neu erzählt. JedeGegenwart hat ihre Geschichten neu zu erfinden- vor allem dann, wenn Vergangenheiten von kollekti-ven Traumatisierungen durchkreuzt sind. Das immerhin verbindet die Biographien der Wessis und derOssis.

Konrad Köstlin

Institut für Volkskunde( Ethnologia Europaea), Wien