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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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wesentlich bestimmte. Der Vergleich mit der westlichen Bundesrepublik wurde im Stillen immer mitge-dacht. Nicht zu Unrecht wurden die in den ersten Jahren ungünstigen Ausgangsbedingungen für dieUnterschiede im Lebensstandard namhaft gemacht. Der V. Parteitag der SED im Jahre 1958 verkündete,daß man Anfang der sechziger Jahre die Bundesrepublik in puncto Lebensstandard überholt habenwürde. Später wurde das Anderssein zum erklärten Ziel der Parteileitung: Überholen statt einzuholen'wurde ein Motto der Honecker- Jahre. Soziale Maßnahmen sollten die Überlegenheit gegenüber der,, BRD" ausmachen. Der von der Führung der Sowjetunion initiierte Bau der Mauer im Jahre 1961 mar-kierte nicht nur die Grenze zwischen Ost und West, sondern schien auch die Chance zu eröffnen, einensozialistischen Weg mit anderen Werten und ungestört von westlichen Einflüssen zu finden. Sie symbo-lisierte den Versuch und die Hoffnung, ungestört anders sein zu können. Freilich, die meisten DDR- Bür-ger haben den antifaschistischen Schutzwall"( DDR), die Zonengrenze"( BRD)- mit Ausnahme Berlinsnie gesehen, denn schon weit vor der Grenze begann ein Sperrgebiet vor den hellbeleuchteten Grenz-sicherungsanlagen".

9. ,, Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs' noch Esel auf.." 40

oder: Von der Wiege bis zur Bahre

Seit den 60er Jahren hatten sich die DDR- Bürger den verbindlichen Ordnungen unterworfen. Alle heute30- bis 60jährigen- also die, die noch das Sagen haben-, haben das vorgegebene sozialistische Schul-system durchlaufen, haben Kindheit und Jugend in der DDR erlebt, in ihren Schulen und in ihren Kinder-gärten, die in den 80er Jahren 90% der Kinder besuchten. Daß man seinem Kind eine Schleife beibrin-gen müsse, verlangte der Bildungs- und Erziehungsplan für Fünfjährige, den Ausweg über den Klettver-schluß für die Schuhe gab es nicht. Annähernd alle Schüler wurden von der Pionierorganisation und derFDJ( Freie Deutsche Jugend) erfaßt. Die Freizeit der Jugendlichen bestimmten die vielbesuchten Disko-theken, die nach 1974 das Bedürfnis der Jugend nach Geselligkeit, Tanz und Unterhaltung, ihr Strebennach niveauvollen Veranstaltungen[...] fördern und immer besser befriedigen" sollten.41 In den Jugend-klubs der FDJ und in Kulturhäusern legten ausgebildete Disc- Jockeys, die offiziell Schallplatten unterhal-ter" hießen, Platten nach den, Prinzipien der sozialistischen Kulturpolitik" auf. Sie benötigten dazu einausreichendes gesellschaftliches Grundwissen, gute Allgemeinbildung; Fachkenntnisse auf den Gebietender Musik[...] sowie rhetorische Fähigkeiten". 42 Bei Veranstaltungen, so schrieb die Diskotheken- Ord-nung vor, sollten sechzig von hundert gespielter Titel aus der Feder von Komponisten der DDR oder ande-rer sozialistischer Länder stammen.

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