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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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Christen, die den Sonntag heilig halten wollen- und die bei der Herbeiführung der Wende eine großeRolle gespielt haben-, waren in der DDR immer schon in der Minderheit, sie sind es heute noch mehr.Das steht im Gegensatz zum Westen, in dem es eine steuerzahlende Glaubenslosigkeit gibt, die denSonntag als Sonntag schätzt. Es ist erstaunlich, wie sich eine mental unterschiedlich geprägte Ost- West-Differenz auftut( bzw. erhält), wie die Bürger der FNL( auch so nannte man einmal die Fünf Neuen Län-der) zum Vorreiter des Neo- Liberalismus werden.

7. 50 Jahre DDR

Den 17. Juni, der im Westen der heutigen Bundesrepublik als Tag der deutschen Einheit" begangenwurde, gibt es nicht mehr. Er ist ins Museum gekommen. Am 7. Oktober dieses Jahres wäre die DDR50 Jahre alt geworden, und im Martin- Gropius- Bau in Berlin wurde die Ausstellung im Deutschen Histo-rischen Museum über die fünfzigjährige Republik eröffnet. Dort- im Museum steht die Tribüne aufge-baut, auf der die Repräsentanten der DDR am 7. Oktober 1989 die Militärparade auf dem Marx- Engels-Platz abnahmen. Danach gibt es die DDR nicht mehr- Feiern werden dennoch stattfinden: ernsthaft undengagiert wird das Jubiläum von der PDS vorbereitet, Bücher mit Titeln wie, 50 Jahre DDR" werden aufder Leipziger Buchmesse vorgestellt werden.

Es handelt sich um gelebtes Leben, und es ist bemerkenswert, daß dieses alltägliche Leben viel wichti-ger wird, als die politischen Bedingungen, unter denen es geführt werden mußte. Der Alltag wird hero-isiert: zum einen als genügsam, ehrlich und solidarisch und dem Turbokapitalismus nicht verfallen; zumanderen ob seiner erfinderischen Akzente 32, ohne die in einer Welt des Mangels und des Notbehelfs dasLeben viel schwerer gewesen wäre.

,, Ostalgie", im Kabarett erfunden, ist aber mehr, nämlich eine Weltsicht, die eine virtuelle DDR entstehenläßt und feiert. Vergessen ist, was DDR auch war: Mißtrauen gegenüber Funktionären, Haß auf die Mauer,planmäßig verkommene Städte, Beschwerlichkeiten des Alltags, Einheitspresse und Furcht vor der Staats-sicherheit. Die da heute feiern, haben oft die DDR bewußt gar nicht miterlebt. Sie wissen aber, wogegensie sind, und entdecken inmitten der verführerisch- schillernden Warenwelt den Kult der Gegenwelt in einerÄsthetik der Knappheit und im einfachen Design eines scheinbaren und moralischen Antikapitalismus. DieDDR, die nun entstanden ist, und an der alle Ausstellungen mitbasteln, ist.:- es kann nicht anders sein-eine DDR, die es so nie gab. Westliche Kritik am Erziehungssystem der DDR, das ursächlich für denRechtsradikalismus unter Jugendlichen sei, wie sie kürzlich der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeif-fer vorgetragen hat, wird auch deshalb mit wütendem und kollektivem medialen Volkszorn beantwortet.