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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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ten stand eine ähnliche Überzeugung wie hinter den Wohnbauten für die Wiener Massen, den Gemein-debauten: Auch das, Rote Wien" der Ersten Republik kämpfte programmatisch gegen die Häuselbauer,gegen jene, die privatistisch in Einfamilienhäusern wohnen, also nicht gesellschaftlich" leben wollten.Ein neuer Mensch sollte in den Wohnbauten für die Massen erzogen werden: der sozialistische Mensch.Jedes Haus ist eine Botschaft und hat eine Botschaft; jedes Haus stellt ein Stück Geschichte dar, jedesHaus und jede Wohnung bestimmt das Leben und den Alltag der Menschen, der Familien, die es bewoh-nen. Jedes Haus ist Ausdruck einer Lebensphilosophie- so würde man heute sagen. Die Mächtigen desSozialismus liebten die bürgerlichen Stadthäuser nicht( oder nur für sich selbst); sie liebten nicht ihrenGeist und sie liebten nicht ihre Botschaft. Von daher rührte auch die planvolle Dekonstruktion der Innen-städte in der DDR. In der kriegszerstörten Dresdner Innenstadt wurde sämtlicher Grundbesitz enteignetund der Baugrund mit ökonomischen" Typenhäusern neu bebaut: 100.000 neue Wohnungen entstan-den so. Private Initiative beim Wiederaufbau war auch andernorts fast unmöglich. Es fehlten Materialien,Baubrigaden duften nicht zugezogen werden, und die Mieteinkünfte waren so gering, daß sich darausnicht einmal Erhaltungsmaßnahmen finanzieren ließen. An einigen Stellen hat das die Innenstädte auchvor irreversiblen Umbauten bewahrt- wo das Reißbrett der Planer nicht herrschte, blieb der Osten alt-modisch, ja traulich. Die Altbausubstanz der Städte, die man der verhaßten Bourgeoisie zuordnete, wurdein dieser Zeit planmäßig und eklatant vernachlässigt, ausgewohnt", wie es amtlich hieß, und für denAbriß bestimmt. Selbst auf dem Lande wurde für die zu LPG- Arbeitern mutierte ländliche Bevölkerung indie Höhe gebaut wie in den rumänischen Agrostädten.

Aus der Perspektive des Westens sind die Plattenbausiedlungen in Rostock- Lichtenhagen oder Berlin- Mar-zahn auch die Orte der Ausländerpogrome, die Brutstätten des heutigen Fremdenhasses. In ihrer Trostlo-sigkeit bietet die, Platte"- wieder aus des Westperspektive- bereits eine plausible Erklärung für diesesVerhalten: Die Dresdner Ausgabe der deutschen BILD- Zeitung berichtete am 21. 7. 1999 über den Düssel-dorfer Multimillionär Bolko Hoffmann, der sich als Wirtschaftsminister in Sachsen andiente. Der Mann, ansich ein politischer Außenseiter, der 1998 mit einer Anti- Euro- Kampagne und seiner Partei Pro- D- Mark"von sich reden gemacht hatte, will als erstes ,, alle Plattenbauten abreißen", so sehr sind sie zum Kürzelfür den feindlichen" DDR- Alltag geworden. Sieben Balkons übereinander, zwölf in einer Reihe, Fertig-platte, Fenster in der Platte, Fertigplatte, immer wieder die gleiche Abfolge: Symbol der gleichgeschalte-ten DDR- aber auch des einäugigen westlichen Blicks auf sie. Schließlich galt die Großblockbauweise, wiesie offiziell hieß, auch als eine Errungenschaft, technisch wie architektonisch interessant.

In die Platten wurden die Aktivisten der Sozialistischen Arbeit" eingewiesen. Es waren ,, Privilegierte",

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