Tourismusbilanz Österreichs etwa sähe ohne dieses neue deutsche Publikum schlecht aus.
Der Umgang mit der Erinnerung an die DDR hat fasziniert und irritiert. In dieser Erinnerung ist die DDRein Staat der Solidarität, der emanzipierten Frau, der in Tagesstätten versorgten Kinder, der Jugendhäu-ser und FDJ- Heime, der Vollbeschäftigung und der gesicherten Lebens- und Berufsperspektiven, dermenschlichen Wärme und der Förderung der Freizeitkreativität durch Kulturhäuser. Leistung war aller-dings angesagt, und das nicht nur auf Transparenten und bei den Hennecke- Aktivisten, die im Wettstreitdas Soll übererfüllten: Die Arbeitstage waren im Vergleich länger.
2. Ästhetik des Einfachen
Noch 1988, vor der sogenannten„ Wende", hat der Journalist Claus Heinrich Meyer die DDR als ein„, All-tags- Museum der Moderne" beschrieben. Und 1990 schrieb„ Der Spiegel", bei Reisen in die DDRwerde man durch eine„ Zeitmaschine in die Nierentisch- Ära der fünfziger Jahre katapultiert": Es sei alles,und da zitierte das Blatt das Magazin„ Wiener",„ ein bißchen spießig, so daneben, daß es schon wiederlustig ist". Der westliche Blick auf die DDR war auch ein amüsierter, ein überraschter Blick. Designer ent-deckten fasziniert in der Warenwelt der DDR ein freilich nur aus westlicher Perspektive-' minimalisti-sches' Design, dem sogar ein Buch gewidmet wurde, das den Namen der SED( Sozialistische Einheits-partei Deutschlands) als„ Schönes Einheitsdesign"( SED) ironisch umspielte. Sie sahen„, No- Design"und entdeckten den„ Vorzug des Mangels". 10 Später gab es den„ Spirituosen Einheits Drink"( SED) als,, Erichs Rache".
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Mittlerweile oszilliert der Blick zwischen West und Ost, wenn in Gedenkausstellungen allerorten der dis-krete Charme der DDR- Warenästhetik reproduziert wird. Interessant sind hier vor allem die Eintragungenin die Besucherbücher:„, So altmodisch, so weit zurück waren wir doch nicht!" 11, drückt man Empörungaus. Oder man kokettiert mit postmoderner Gegenläufigkeit: in der DDR habe man noch ohne Hektikleben können.
3. Die Platte
,, Die Platte" ist geradezu zum Symbol der DDR- Kultur geworden- als ob alle Bürger in Plattensiedlungengewohnt hätten. Diese Plattenbauten waren- wie in westlichen Ländern auch ein Modernisierungs-phänomen; und eine strikte Linie läßt sich nicht ausmachen: Der VIII. Parteitag 1971 etwa hatte bereitsStadterhaltung und Stadterneuerung dekretiert und so den alleinigen Akzent auf Neubauten relativiert;und Mitte der 70er Jahre begann man allmählich auch den Bau von Einfamilienhäusern zu fördern.
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