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ten Arbeiterschaft und einer Vielzahl von Organisationen, die bereits in den zwanziger Jahren den„ neuenMenschen" hervorbringen wollten, bildet ein gutes Beispiel.
Auch die politischen und sozialen Bedingungen, unter denen der Wiener Gemeindesozialismus wie auchdie DDR entstanden, sind ähnlich: es ging um die Rekonstruktion einer Gesellschaft nach einer verhee-renden Kriegsniederlage, um lebensweltliche Verbesserungen in einer Notsituation, die fast alle Lebens-bereiche berührte, um eine Perspektive für die Gesellschaft und jedes einzelne ihrer Mitglieder- dies beiBerücksichtigung auch aller gravierenden Unterschiede in den Sozialismusmodellen, die sich gerade aufder Ebene des Alltags in ihren Auswirkungen deutlich machen lassen.
Leben in der Platte" könnte auch dazu anregen, über die sozial-, kultur- und alltagsgeschichtlichenBefunde aus der späten DDR- Zeit hinaus eine langfristigere Perspektive mitzudenken. Nicht nurGeschichte, sondern auch eigene Gegenwart und Zukunft mitzubedenken, Erinnerung, Augenschein undErwartung zu verknüpfen. Hier schließe ich mich gern der eingangs zitierten Einladung des fiktiven Öster-reichischen Ministerpräsidenten Josef Meinrad an.
Andreas Ludwig
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt
1 Der Ministerpräsident Österreichs, dargestellt von Josef Meinrad, zur Präsidentin der Weltschutzkommission( Hilde Krahl) inWolfgang Liebeneiners Films„ Wien 1. April 2000"( 1953). Für den Hinweis auf diesen Film danke ich Andreas Butter.2 Die im folgenden genannten historischen Daten sind entnommen: Reinhard Sieder, Heinz Steinwert, Emmerich Tálos:Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in der zweiten Republik. Eine Einführung, in: dies.( Hg.): Österreich 1945-1995. Gesellschaft,Politik, Kultur, Wien 1995(= Österreichische Texte zur Gesellschaftskritik, Bd.60), S. 9 ff; Ela Hornung, Margit Sturm: Stadtleben.Alltag in Wien 1945 bis 1955, in: ebd., S. 54-67; Fritz Weber: Wiederaufbau zwischen Ost und West, in: ebd., S. 68-79.3 Historisches Museum der Stadt Wien: Das Rote Wien 1918-1934, Ausstellungskatalog, Wien 1993; Verein der WienerFestwochen, Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum( Hg.): Zwischenkriegszeit- Wiener Kommunalpolitik1918-1938, Ausstellungskatalog, Wien 1980.
4 Gerd Kuhn, Andreas Ludwig( Hg.): Alltag und soziales Gedächtnis. Die DDR- Objektkultur und ihre Musealisierung, Hamburg1997, vereint Beiträge zur Diskussion um die Musealisierung der industriellen Massenkultur am Beispiel der DDR und desDokumentationszentrums Alltagskultur.
5 Michael Fehr: Müllhalde oder Museum: Endstationen in der Industriegesellschaft, in: ders., Stefan Grohe( Hg.):Geschichte Bild- Museum. Zur Darstellung von Geschichte im Museum, Köln 1989, S. 182-196.
6 Die vielfach benutzte Bezeichnung ,, Ostalgie" trifft den Kern offensichtlich nicht, da er lebensweltliche Vorstellungen undErfahrungen ausklammert. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Prozeß weniger um eine Orientierung auf staatliche
und gesellschaftliche Systeme, als um eine spannungsreiche Beziehung von Wandel und Konstanz in den Utopien und Zukunfts-vorstellungen, die sich mit der eigenen Existenz verbinden. Das Dokumentationszentrum wird sich diesem Thema in einer seinernächsten Ausstellungen annehmen.
7 Enno Bünz, Rainer Gries, Frank Möller: Erwartungen in der Geschichte, in: dies.( Hg.): Der Tag X in der Geschichte.Erwartungen und Enttäuschungen seit tausend Jahren, Stuttgart 1997, S. 7-23.