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Leben in der Platte : Alltagskultur der DDR der 70er und 80er Jahre ; [Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 17. September bis 14. November 1999]
Entstehung
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darf." Oder hätte es statt eines einzigen Herrn Karl viel mehr solcher Typen wie bei Qualtinger gegeben,hätten sich also die Organisierungsbemühungen der sozialistischen Staatsmacht in der täglichen Anarchiegleichsam wieder aufgelöst. Regisseur Liebeneiner hatte dazu seine eigene Auffassung: Exzellenza, diePräsidentin der Weltschutzkommission, die die Österreicher zur Räson bringen sollte, sah sich mit einem,, fortgesetzt liederlichen Lebenswandel" konfrontiert und interpretierte die Wiener Gemütlichkeit alsDolchstoẞ von hinten".

Oder wäre ein sozialstaatliches Konsensmodell, ähnlich dem lange Zeit in Österreich praktizierten, durch-gesetzt worden, nur noch ein wenig konsequenter? Der Wiener Kommunale Wohnungsbau als Beginneiner sozialtechnokratisch gesteuerten, alternativlosen, aber flächendeckenden Grundversorgung?

III.

Die Beschäftigung mit Geschichte, zumal mit der Zeitgeschichte und ihrer zum Teil noch im Fluẞ befind-lichen Gegenstände, provoziert die Frage nach der Potentialität einer anderen Entwicklung. Das Lebenin der Platte" hätte durchaus, nach den Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges, auch in Österreich statt-finden können. Wie es im Detail ausgesehen hätte, mag der Phantasie des Lesers und Besuchers über-lassen bleiben.

Die Aufgabe des Museums geht so weit nicht, auch wenn man ihm die Möglichkeit eines spielerischenUmgangs mit der Geschichte nicht von vornherein absprechen sollte. Gerade bei der Beschäftigung mitder Geschichte und der Alltagskultur der DDR spielt der Vergleich mit Entwicklungen in anderen Nach-kriegsgesellschaften, nicht nur, aber besonders mit der in der Bundesrepublik Deutschland, eine wesent-liche Rolle. Keiner der gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Befunde in der DDR sollte alsselbstverständlich, als unumstößliche Tatsache hingenommen werden, schon gar nicht als oberflächlicheEindeutigkeit. So sind die Objekte des Alltags, die in der Ausstellung ,, Leben in der Platte" zu sehen sind,wohl materieller Beleg, aber mehr noch Matrix für ein Nachdenken über Gesellschaft. In dieser Weiseversteht auch das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR", das einen Teil der präsentiertenObjekte zur Verfügung gestellt hat, seine museale Tätigkeit.4

Gegründet 1993, war das Dokumentationszentrum ein Reflex auf die untergehende materielle Kultur derehemaligen DDR. In den Monaten und Jahren nach deren staatlichem Zusammenbruch waren wilde Müll-deponien und Halden entsorgten Hausrates entstanden, ganz abgesehen von Bibliotheken und Werksar-chiven, die sich in Müllcontainern wiederfanden. Mit einem Schlag und für die meisten Zeitgenossenüberraschend, waren nicht nur ein Staat und eine Gesellschaft historisch geworden, sondern zugleich

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