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In Wien hätte man sich an das vom Gemeindesozialismus der Zeit vor 1934 Geschaffene anlehnen kön-nen. Dies gilt nicht nur für die von der damaligen Gemeindeverwaltung initiierten Gemeindebauten, fürdie die Stadt weltweit berühmt geworden war, sondern auch für eine breite Palette sozialpolitischerMaßnahmen, kultureller und sportlicher Vereinigungen. Auf diese Ergebnisse des Stadtausbaus untersozialistischer Programmatik, aber auch auf die Rudimente einer breiten Arbeiterkultur hätte ein neuesGesellschaftssystem durchaus aufbauen können.
Ganz anders wäre es möglicherweise auf ideologischem Gebiet gekommen, denn die Sozialdemokrati-sche Partei war der Demokratie verpflichtet, der traditionelle Austromarxismus keinesfalls stalinistischerPrägung, so wie das aus der Sowjetunion stammende politische System in Osteuropa nach 1945. Viel-leicht wäre es zu einem national angepaßten Entwicklungsmodell gekommen, wie dies in der Sowjeti-schen Besatzungszone Deutschlands zumindest während der 40er Jahre der Fall war, wo die SowjetischeMilitäradministration ebenso wie die KPD und später die SED auf eine antifaschistisch- demokratischeEntwicklungsphase setzten, bevor die Stalinisierung von Partei und Staat durchgesetzt wurde. Vielleichtwäre der Wiener Munizipalsozialismus der zwanziger und frühen dreißiger Jahre zum Vorbild für einen,, Österreichischen Weg zum Sozialismus" geworden, wie dies bereits in der Ersten Republik das Ziel sozi-aldemokratischer Politik war?
Aber Wien ist nicht Österreich, und so gilt es auch die ländlichen Gebiete zu bedenken. Hier hatten imöstlichen Deutschland die Kollektivierung der Landwirtschaft und später die Politik der Angleichung derLebensverhältnisse von Stadt und Land entscheidende Veränderungen bewirkt. Allerdings war ein TeilOstdeutschlands von Großgrundbesitz geprägt, so daß eine Umverteilung von Grund und Boden anfangsauf Zustimmung, besonders bei den ärmeren Bevölkerungsschichten und bei den vielen Flüchtlingen,stieẞ. Erst später waren die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in immer größere undspezialisiertere Produktionsgenossenschaften überführt worden. Hätte es auch im östlichen Österreichagrarische Großbetriebe, die teilweise mehrere Dörfer umfaßten, gegeben, mit allen Auswirkungen aufdie tägliche Speisekarte, wie sie aus der DDR bekannt sind? Der Kaffee ein Luxusgut, das Schnitzel ausSchweinefleisch, Wein geht in den Export, während Hendl- und Gulaschversorgung stabil sind.Wie hätte die österreichische Variante des Sozialismus ausgesehen, wenn der Hang zum( politischen)Ausgleich der führenden Rolle einer Partei ausgeliefert ist, die Bürokratisierung aller Lebensbereichezunimmt und der Hausmeister die ,, Hausgemeinschaft" im Namen der Gesellschaft organisieren darf?Hatte Liebeneiner in seiner filmischen Charakterisierung der Wiener Volksseele recht, wenn er einenMetzger angesichts der ausbrechenden Revolte sagen läßt: ,, Da weiß ich nicht, ob ich mich das trauen