aus erfinderisch zu sein. Das Ergebnis waren ebenso praktische wie witzig- skurrile Geräte für den tägli-chen Bedarf. Die Verwirklichung dieser Idee hätte freilich umfangreiche Recherchen und einen kompli-zierten Leihverkehr erforderlich gemacht. So entstand mit freundlicher Unterstützung des Dokumentati-onszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt der Plan, das Leben in der DDR anhand einerP 2- Wohnung zu zeigen. Die einzelnen Räume dieser Wohnungstype bilden die Struktur der Ausstellung.Um falsche Assoziationen zu vermeiden, werden die Wohneinheiten jedoch nicht originalgetreu möbliert.Vielmehr sollen die Räume dazu dienen, einzelne Themenbereiche des Lebens abzuhandeln: der Ein-gangsbereich als Plattform zur Darstellung des Wohnbauprogrammes, die Küche als Chiffre für Versor-gung und Hausarbeit, das Wohnzimmer als Nische für privates Glück und gesellschaftliche Aktivität, dasBad als Metapher für Schönheit und Mode der Frau, das Schlafzimmer als Ort für Ehe und Sexualität, dasKinderzimmer als Hort für die Erziehung der Jugend.
Eine solche Ausstellung ist natürlich nicht unproblematisch. Sich mit der DDR zu beschäftigen, ist ein über-aus sensibles Unterfangen. Unter den Betroffenen herrscht nämlich die Meinung vor, daß über die ehe-malige DDR nur ehemalige DDR- Bewohner Aussagen treffen können. Und es stimmt schon, daß wir unskaum Vorstellungen über die politische Wirklichkeit des Alltags in der DDR machen können, zu sehr istunsere Meinung von Klischees dominiert. Bei dem Versuch, Einblick in das alltägliche Leben der DDR- Bür-ger geben zu wollen, ist die Unmenschlichkeit des diktatorischen Regimes mitzudenken. Die Harmlosig-keit der Ausstellungsobjekte darf nicht dazu verleiten, den politischen Hintergrund auszublenden. Ande-rerseits gab es neben all den politischen Implikationen auch ein„ normales" Leben in der DDR. Dieses zuzeigen, hat sich die Ausstellung zum Ziel gesetzt. Sie nimmt dabei in Kauf, daß die Präsentation zum Voy-eurismus verführt, der primär dem Typischen auf der Spur ist. Und obwohl ein Vergleich der Alltagskulturder 70er und 80er Jahre zwischen Ost und West viele Parallelen aufzuweisen hat, ist die spezifischeWaren- Ästhetik der DDR, die, weil heute bereits Geschichte, zur Nostalgie verleitet, nicht zu übersehen.Das aber ist der Punkt, der zum Nachdenken über die Mechanismen der Alltagskultur führen soll.
IV.
Für das Zustandekommen der Ausstellung hat die Direktion einer Reihe von Mitarbeiter( inne) n und Insti-tutionen zu danken. An erster Stelle Herrn Wenzel Müller, der sich die Ausstellung zu einem persönlichenAnliegen machte. Er zeichnet auch für den Hauptteil des Kataloges verantwortlich. Ohne Objekte bliebedas beste Konzept jedoch Makulatur. Daß es nicht dazu kam, verdanken wir der freundlichen und kolle-gialen Unterstützung durch das„, Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt" mit