Klaus Schönberger
Anwenden- Einwenden- Eingreifen
Die Frage des Anwendens, Einwendens und Eingreifens zieht sichwie ein roter Faden durch die Wissenschaftsgeschichte der mit derPost- Volkskunde verbundenen Institutionen, Studien und Forschun-gen. Die Absolvent* innen unserer Studiengänge finden sich in diver-sen beruflichen Kontexten wie Verbänden, Museen, Verwaltungen,in den Medien oder in der sogenannten Kreativwirtschaft, die früherKulturindustrie geheißen hat.'
Hier gilt es, die Erkenntnisse der Empirischen Kulturwissen-schaft in praktisches berufliches Handeln zu übersetzen. Für dieseVersion der Angewandtheit wurde in der Vergangenheit und wirdin der Gegenwart auf ein Set an Praktiken zurückgegriffen, die Auf-klärung, Wissensvermittlung, aber eben auch Handreichungen, etwaAnleitungen für„,( volks-) kulturelle“ oder gar„ Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums"-Praktikenliefern oder geliefert haben. Nicht immer stößt eine wissenschaftlichfundierte Analyse( bzw. Beratung) dabei auf Gegenliebe.2
Anwenden als politische Instrumentalisierung
Wenn man aus der Perspektive einer akademischen Disziplin wieder Post- Volkskunde spricht, die bereits in ihrer Genese mit einerAnwendungsorientierung auf die Welt gekommen ist, dann liegenzahlreiche Fallstricke auf dem Weg zu einer Stellungnahme. DieseVersion der Angewandtheit lässt sich in der Fachgeschichte als politi-sche und ideologische Instrumentalisierung konstatieren- dazu muss
1
2
Gerald Raunig: Kreativindustrie als Massenbetrug. In: Ders.,
Ulf Wuggenig( Hg.): Kritik der Kreativität. Wien 2007, S. 67–77.Online verfügbar unter http://eipcp.net/transversal/0207/raunig/de( Zugriff: 1.2.2023).
Vgl. z. B. den Konflikt um die Geschichte der Tresterer im Land Salzburg.Kammerhofer- Aggermann, Ulrike: Kunst- Wissenschaft- Brauchtums-vereine Glossar ::: zum Glossareintrag vereine: Divergente Narrative( im Erscheinen).