Gerhard Schönhofer
Flucht und Migration öffentlichthematisieren- Gedanken zurZweckgerichtetheit öffentlicherSichtbarkeiten
Einleitung
Die Sichtbarkeit migrantisierter Menschen in politischen Diskursenist spätestens seit dem„ langen Sommer der Migration" als Main-stream- Thema der deutschsprachigen Medienlandschaft etabliert.Sich öffentlich kritisch über den Mangel an Sicht- und Hörbarkeitmarginalisierter und migrantisierter Akteur* innen zu äußern, scheintseither en vogue zu sein. Im März 2019 hatte sich auch der Satirikerund Medienmacher Jan Böhmermann in dem von ihm sowie demMusiker und Schauspieler Olli Schulz betriebenen Podcast Fest&Flauschig zum Thema geäußert. In der Folge You are not alone thema-tisierte Böhmermann den Zuzug von Gastarbeiter* innen in die Bun-desrepublik Deutschland seit den frühen 1960er Jahren. Mit Sätzenwie„ das sind die Leute die wir vor 30 oder 40 Jahren mal waren"solidarisiert sich der Sohn eines Bremer Polizeibeamten mit Men-schen, die bereits in zweiter oder dritter Generation in Deutschlandleben und„ ja eigentlich was zu sagen haben“, so Böhmermann wei-ter. In seinen Ausführungen markiert Böhmermann migrantisierteMenschen per se als einem Arbeiter* innenmilieu zugehörig. Zugleichproblematisiert er diese Zuschreibung und merkt an, dass auch dieseMenschen mittlerweile„ die ersten Studienabschlüsse“ erwerbenwürden und Akademiker* innen seien.
1 Sabine Hess, Bernd Kasparek, Stefanie Kron u. a.: Der lange Sommer derMigration. Krise, Rekonstitution und ungewisse Zukunft des europäi-schen Grenzregimes. In: Dies.( Hg.): Der lange Sommer der Migration.Grenzregime III. Berlin 2017, S. 6-24, hier S. 6.