Roland Wolfgang Peball
,, Doing HCB❝
Dimensionen des öffentlichenHexachlorbenzol- Diskurses
in Kärnten¹
Am 26. November 2014 wurde von der Kärntner Landesregierungin einer Pressekonferenz bekanntgeben, dass der Schadstoff Hexa-chlorbenzol( HCB) 2 bei Untersuchungen in Milch und Futtermittelnlandwirtschaftlicher Betriebe im Görtschitztal gefunden worden war.Das Görtschitztal mit den Gemeinden Brückl, Eberstein, Klein SanktPaul und Hüttenberg ist eine geografische Region, die im BezirkSankt Veit nördlich der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt liegt.Das HCB war aufgrund unzureichender Temperaturen beim Bren-nen von belastetem Blaukalk der in Brückl ansässigen Donau ChemieAG freigesetzt worden. Für die Verbrennung verantwortlich warendie Wietersdorfer& Peggauer Zementwerke( w& p Zement GmbH),einer der größten Arbeitgeber im Tal.
Wegen seiner hohen Fettlöslichkeit reicherte sich dasHCB in der Umwelt und Nahrungskette an, wovon besonders die
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1 Dieser Beitrag basiert auf den Erkenntnissen meiner Masterarbeit.Vgl. Roland W. Peball: Doing HCB. Die diskursiv- praktische Herstel-lung der HCB- Causa im Görtschitztal. Masterarb., Klagenfurt 2019.Laut AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungs-sicherheit, ist Hexachlorbenzol„ ein persistenter( schwer abbaubarer),organischer Schadstoff, der in der Umwelt ubiquitär( allgegenwärtig)verbreitet ist und sich aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit in der Nah-rungskette anreichert.“ Aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Eigen-schaften( ,, möglicherweise krebserzeugende, leber- und nierenschädigendeWirkung sowie eine schädigende Wirkung auf Embryo und Fötus") zähltes zu jenen zwölf Chlorverbindungen, die mit der Stockholmer Kon-vention 2004 weltweit verboten wurden. Vgl. AGES: Hexachlorbenzol,https://www.ages.at/mensch/ernaehrung-lebensmittel/rueckstaende-
kontaminanten- von- a- bis- z/ hexachlorbenzol( 13.2.2022).