Bernhard Fuchs
weil ein Orakel prophezeit hätte, wenn Dipendra vor seinem 35.Geburtstag heiraten würde, koste das seinen Vater das Leben. BeimWienbesuch seiner Eltern König Birendra und Königin Aishwarya ginges formeller zu. Immerhin wird der König als eine Inkarnation Bishnusverehrt. Bei der Vorbereitung der Privataudienz in einem Wiener Hotelarbeiteten die beiden Kulturvereine zusammen, um eine Liste der inÖsterreich lebenden Nepalis zu erstellen. Dabei wurden zum Ärger derNepalis indischer Herkunft nur Personen eingeladen, die direkt ausNepal stammen. Allerdings besaßen auch von diesen nicht mehr alle dienepalische Staatsbürgerschaft. Um den Eindruck nationaler Homogeni-tät zu erwecken, gab man bei den mit, Fremden' verheirateten Frauenden nepalischen Mädchennamen an. Das führte zu einiger Verstim-mung, so dass manche sogar den Boykott der Veranstaltung in Erwä-gung zogen. Die nationalistische Pseudo- Authentizität wurde als einWiderspruch zur nepalischen Tradition kritisiert, wonach Schwieger-söhne den höchsten Respekt verdienten. Nun aber verhalte man sich, alsob man sich ihrer schämte. Trotz ihrer Entrüstung wollten sich dieEingeladenen diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen. Das Fotoder nepalischen Gemeinde mit den obersten Repräsentanten ihres Lan-des fand in vielen Haushalten einen Ehrenplatz.
Am frühen Morgen des zweiten Juni riss mich das Telephon aus demSchlaf. Beenas Freundin berichtete mir bestürzt vom gewaltsamen Toddes nepalischen Herrscherpaares. Der Kronprinz sei der Täter. Raschfügte sie hinzu, dass sie das aber nicht glauben wolle. Wahrscheinlichsei es eine Verschwörung. Ihr Mann, der den König persönlich einehalbe Stunde durch den Schönbrunner Tiergarten begleitet hat, sei obdieser Nachricht in Ohnmacht gefallen. Das Blutbad im Königspalasthat 18 Menschen das Leben gekostet. Beinahe die gesamte Königs-familie ist ausgerottet worden. Nepalis in Wien zeigten sich tieferschüttert und weigerten sich, der offiziellen Version des TathergangsGlauben zu schenken. Der neue König Gyanendra und sein Sohn Parashaben einen üblen Ruf, die Vorwürfe reichten von Korruption bis zu
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In der Kronen Zeitung bemühte man sich um eine Austrifizierung des nepalischen Königs,indem die Behauptung aufgestellt wurde, dieser hätte in Graz studiert. Kronen Zeitung, 19. 7.2000, S. 19.
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