Erlebnis unter freiem Himmel
Führungen, Ausstellungen et cetera konsequent vom Heile- Welt- Klischeewegzukommen, und außerdem ist wohl ein Wohnblock genauso, echt'wie ein Blockbau- Bauernhaus.
Dem Marketingbüro kann man aber nur vorwerfen, dass die Phrase amZiel und der Aufgabe des Museums vorbeigeht. Dieses besser zu ver-markten wäre mit dem neuen Leitspruch„ Der Zauber des Echten"möglicherweise sogar gelungen, denn die Menschen suchen, den Zau-ber'. Dahingehend hat das Marketingbüro seine Aufgabe erfüllt. Besu-cher wollen das Andere, die Abwechslung zum Alltag, das Erlebnis.Eine sich ständig verändernde Umwelt führt zu zunehmendemIdentitäts- und Orientierungsverlust sowie zu einer allgemeinen Verun-sicherung. Folkloristisch konstruierte Welten, auf die man nachträglichverklärte Blicke wirft, erfahren dabei eine große Aufwertung. Gepaartmit vermehrter Freizeit sind dies nicht zuletzt die Voraussetzungen fürdas wachsende Interesse an den Freilichtmuseen. Diese Museen werdennicht unbedingt aus Bildungshunger aufgesucht, sondern weil man fürein paar Stunden in eine, heile Welt' eintauchen will.
Seit einigen Jahren erscheinen in rauhen Mengen Bücher über Globa-lisierung und deren Auswirkung auf die Lebenswelt des einzelnen Men-schen. Psychologen und Soziologen vertreten die Meinung, dass dieglobalisierte Welt auch ein stärkeres Bedürfnis nach überschaubarenBereichen auslöst., Freilichtmuseum' wird mit naturnahem Aufwachsender Kinder assoziiert, mit friedlichem Zusammenleben der Generationen,es gibt dort keine Umweltverschmutzung sondern harmonisches Lebenmit der Natur und dergleichen. Sie werden zu Orten hochstilisiert, diezeigen ,,, wo die Welt halt einfach noch in Ordnung war". Die Auseinan-dersetzung mit Globalisierung versus Fragmentierung und dann noch eineVerknüpfung mit den Auswirkungen auf Freilichtmuseum wäre hoch-aktuell, würde aber hier den Rahmen sprengen.
Hans Joachim Klein, Universitätsprofessor für Soziologie in Karlsruhe,führte 1999 in den sieben Baden- Württembergischen Freilichtmuseen mitStudenten rund 5.000 Besucher- Interviews durch. Neben der Altersstruk-tur der Besucher wurde auch untersucht, welche Leute das Museum wieoft besuchen, woher sie kommen, wie Besucher mit den Angebotenumgehen, Dinge wahrnehmen, wie lange die Besucher im Museum
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