Und am Himmelfahrtstag zum Heiratsmarkt...
man an keine alten Quellen herankam oder nicht sonderlich daran interes-siert war- zum Zeitpunkt des Erscheinens der Publikation, 1979, warChristi Himmelfahrt als Feiertag in der DDR bereits abgeschafft-, seidahingestellt.85
Häufig wird in der Literatur von einer„ Sage“ beziehungsweise„ Legen-de" gesprochen, 86 die die Etablierung des Heiratsmarktes mit der Auflö-sung des seit 1268 im Seußlitzer Schloss 87 befindlichen Klarissinnenklo-sters im Zuge der Reformation in Verbindung bringt.( Die ehelicheVersorgung der einstigen Nonnen sollte gesichert werden.) Allerdingswird fast immer betont, dass es sich um eine unverbürgte Erzählung, eineversuchte Erklärung im Nachhinein handelt. Es ist bemerkenswert undsicher kein Zufall, dass diese Geschichte in keiner sächsischen Sagen-sammlung erscheint.88 Nachweisen lässt sich lediglich eine Schatzsage imZusammenhang mit der Auflösung des Klarissinnenklosters: Die Nonnensollen bei ihrem Auszug einen„ großen Schatz" vergraben haben- in derHoffnung, ihn bei der erwünschten Rückkehr wieder ausgraben zukönnen.89 Letzteres war ohne Zweifel nur ein Sagen- Wunsch, berichtet
85 Die einschlägige Publikationsreihe zeichnet sich allerdings durch das Bemühen um, Tiefgang'
aus.
86 Zur ,, Sage" vgl. Diesbar- Seußlitz. In: Sächsische Weinstraße. Fotos von Erich Tönspeterotto.Text von Wolfgang Knape. Hamm 1995, S. 28 ff, hier S. 30 und Kluge, Ulrich, KarinHerrmann: Sächsische Feste. München, Wien 1998, S. 30f.
87 Es handelte sich um das seit 1250 erbaute Landschloss des Markgrafen Heinrich desErlauchten, das dieser zum Gedenken an seine verstorbene Frau 1268 mit 17 zugehörigenDörfern den Klarissinnen als Kloster stiftete und das ,, namentlich den Prinzessinnen des Wettini-schen Hauses und den Töchtern des Adels der Lommatzscher und Großenhainer Pflege einbehagliches Asyl[...] bot". Schmidt, Otto Eduard: Die Elbdörfer Diesbar und Seuẞlitz. In:Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz VII, 1918, H. 9/12, S. 164-176, hierS. 173. Siehe zudem Elbtal und Löẞhügelland( wie Anm. 84), S. 57ff.
88 Auch nicht in der umfassenden Sammlung von Meiche, Alfred: Sagenbuch des KönigreichsSachsen. Leipzig 1903 und den ihr zugrunde liegenden Quellen. Uther, Hans- Jörg: SächsischeSagen. München 1992, der gleichermaßen Sagensammlungen und Chroniken herangezogen hat,erwähnt eine solche Sage ebenfalls nicht. Es sollte an dieser Stelle daran erinnert werden, dass eszur Sagenbildung keineswegs eines entsprechenden realen Ereignisses bedarf. Wenn aber wederhistorische noch Erzähl- Quellen vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das betreffende- imgegebenen Falle zur Sagenbildung geradezu prädestinierte- Phänomen weit zurück reicht, aufjeden Fall sehr gering.
89 Schmidt, Otto Eduard: Kursächsische Streifzüge. Dritter Band: Aus der alten Mark Meißen.Leipzig 1906, S. 141f; Pohl, Hans- Jürgen: Geschichten und Sagen des Meißner Landes, ge-schrieben nach alten Chroniken, Urkunden, Überlieferungen. Teil I, II, III. Meißen 1989-1995,S. 40f., Nr. 25 Der Juwelen- und Silberschatz von Seußlitz( Quelle: Markus, P.: Das
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