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Erlebniswelt Volkskultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2001 in Spittal/Drau
Entstehung
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Erlebniswelt, Volkskultur und Metatourismus

verfügen wir historisch gesehen über ein extrem hohes Maß an Zeit, diewir selbst ausfüllen müssen.

Die Beschreibung eines Milieus als außergewöhnliche Erlebniswelt, dieUmwidmung des gemeinen Radfahrens in AdventureBiking", die Um-benennung des Skitourenlaufs in MountainAttacking"( Prospekt, Win-terfreunden im Salzburger Land" 2/2000), die Taufe eines Hallenbadeszur ,,, Aquapulco'- Vitalwelt"( in Bad Schallerbach/ Gallspach in der öster-reichischen Ferienregion Innviertel- Hausruckwald) helfen, mit dieserVerfügungsmasse fertig zu werden. Die sprachliche Modernisierung ver-knüpft dabei häufig kulturelle Gegensatzpaare: der Wintersportverbund,, Dolomiti Superski" wirbt 1997/98 im Ferienprospekt Dolomiti snowhigh- lights. Bunte Ferien mit competition and tradition, past timesand modern times", mit ice and ice cream". Der Broschüre ist zuentnehmen:

,, Die beiden Wochenpakete, Fasching im Fassatal' bieten neben dem ein-maligen Skierlebnis um den berühmten Sellastock auch Romantisches: einAbendessen auf einer der typischen Hütten mit einem kleinen Ausflug imMotorschlitten. Zurück geht's dann stilecht mit dem Rodel. Und damit dasFeiern nicht zu kurz kommt, sind Besuche von vergnüglichen Faschingsum-zügen und Maskenbällen vorgesehen. Und Sie werden sehen: die Ladinerverstehen es, zu feiern!"

Und woher nehmen wir die Kompetenz zur folkloristischen Formen-souveränität, zum ironischen Umgang mit den Alltagssymbolen, zurEtikettierungskunst unserer Zeit? Rolf Lindner hat in den letzten Jahrenin mehreren Studien auf die Funktion kulturwissenschaftlicher Beschrei-bungen in diesem Prozess hingewiesen.26 Kulturwissenschaftler, Kultur-soziologen oder Volkskundler( dies können auch solche in journalisti-schen Berufen sein) kulturalisieren Alltagsphänomene durch ihre Art undWeise, Wirklichkeitsphänomene zu beschreiben. Auf die Formel von derErlebnisgesellschaft gemünzt bedeutet dies: Die Lust an der Inszenierungdes eigenen Lebens als immerwährendes Erlebnis fußt- nicht nur aberauch- auf kulturwissenschaftlichen Vorgaben: Der alpine Hasenstall inBottrop sieht so aus, weil die Teilhaber der Erlebnisgesellschaft heutewissen, wie eine alpine Almhütte aussieht, nicht zuletzt dank der

26 Lindner, Rolf: Die Stunde der Cultural Studies. Wien 2000; vgl. Köck, Christoph: Jeder be-obachtet jeden. Notizen zur Ethnografisierung des Alltags. In: Ballhaus, Edmund( Hg.): Kultur-wissenschaft, Film und Öffentlichkeit. Münster u. a. 2001, S. 41-58.

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