Christoph Köck
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Permanent wird der spätmoderne Mensch dazu veranlasst aus einemweiten Spektrum konsumtiver Möglichkeiten- Entscheidungen zu tref-fen, die darauf zielen, ein möglichst selbsterfülltes, ein sich lohnendesLeben zu führen: Erlebnisrationalität, nennt Schulze diese Haltung. DerSoziologe hat seit 1992 seine Theorie der Erlebnisgesellschaft fort-geführt; 1999 veröffentlichte er das Buch„, Kulissen des Glücks. Streif-züge durch die Eventkultur". Darin werden die erlebnisrationalen Ent-wicklungen der 1990er Jahre mit Ausblicken ins neue Jahrtausenddiskutiert.
Als„ Lusttechnik" definiert Schulze jene Form von Produktion, die fürdie Erlebnisgesellschaft charakteristisch ist: Diese Technik manifestiertsich besonders auffällig im Bereich der öffentlich gewordenen Sexualität,sie ist individuell ausgerichtet, sie erfüllt Ansprüche aller Art: Intim-schmuck und Potenzpille dienen wie der Möbelhausbesuch, der Volks-tanzabend oder das Autofahren zur Erzeugung„ besserer Erlebnisse" underfüllen die sinnstiftenden Leitbilder der Erlebnisrationalität.„ Die erleb-nisrationale Sichtweise deutet die ganze Welt als Selbstbefriedigungs-gerät“, so Schulze. Er bezeichnet das Dasein in der späten Moderne als,, Projekt des schönen Lebens", das nur durch„ die letzte noch möglicheSünde[...], die Langeweile, misslingen kann“.8 Schulze verdeutlicht inseinen Ausführungen gleichzeitig, dass in den unzähligen Bemühungenunserer Kultur, faszinierend zu sein, in dem Bestreben, sich allzeit undallerorten persönliches irdisches Glück zu verschaffen, der Keim genauzu dieser letzten möglichen Sünde- eben der Langeweile- liege.Nichts erscheint demnach so wenig erfüllend wie ein Lebenslauf, in demnichts passiert. Um einer unzureichenden Lebensbilanz vorzubeugen,gerät die eigene Vergangenheit zunehmend zum Stoff einer Erlebnis-erzählung, ein Vorgang, auf den die volkskundliche Biografieforschung
5 Schulze, Gerhard: Entgrenzung und Innenorientierung. Eine Einführung in die Theorie derErlebnisgesellschaft. In: Gegenwartskunde 42, 1993, Heft 4, S. 405-419. Schulze, Gerhard:Interview mit Armin Pongs. In: Pongs, Armin( Hg.): In welcher Gesellschaft leben wireigentlich?( Gesellschaftskonzepte im Vergleich 1). München 1999a, S. 219-236.
6 Schulze, Gerhard: Kulissen des Glücks. Streifzüge durch die Eventkultur, Frankfurt a. M.1999b.
7 Ebda, S. 35.
8 Ebda, S. 39.
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