Druckschrift 
Erlebniswelt Volkskultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2001 in Spittal/Drau
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Christoph Köck

von der Öffentlichkeit wahrgenommen, wenn den potenziellenRezipienten damit ein, Aha- Erlebnis" ins Haus steht. Und zudem ist dieVolkskunde nach wie vor dann von der Öffentlichkeit gefragt, wenn esum Spannung versprechende, volkskulturelle Erlebnispotenziale geht, dievor allem von den medialen Häppchenverkäufern nachgefragt werden:um die Einschätzung von Hexenprozessen, die Verortung von Hallo-ween- Phänomenen, die Taxierung des Wahrheitsgehalts moderner Sagen,die biografischen Erzählungen von uralten Almbäuerinnen et cetera.Dieser Beitrag thematisiert einige Verbindungslinien zwischen wissen-schaftlicher und ökonomisch- kommerzieller Alltagsbeschreibung, amBeispiel von aktuellen kulturellen Phänomenen, denen Erlebnischarakterzugewiesen wird. Dabei rückt die Erlebniswelt Volkskultur" in denFokus der Betrachtung, denn insbesondere hier sind wir involviert: dieVolkskunde als Schmiede des Produkts Volkskultur, als kompetenteStofflieferantin für das, was heute nicht mehr nur in kulturhistorischenAusstellungen, sondern etwa auch in der Betriebwirtschaftslehre imRahmen des Regiomarketings" oder des Trendmarketings" behandeltwird. Begleitet wird diese Orientierung von sich rapide ausbreitendenErlebnisinstitutionen, die mit gezielter ökonomischer Strategie die so-genannten, Erlebniswelten" planmäßig, nahezu industriell, produzieren.Dabei scheinen die Formate der Erlebniswelten so vielfältig wie ihre Orteund so, volkskulturell" wie möglich zu sein: Event- Cooking, Erlebnis-advent, Event- Shopping, Erlebnis- Biking, die Liste ließe sich nach weite-rem Belieben vielzeilig fortsetzen.

Aus der Omnilokalität des Erlebnisses ergibt sich die Schwierigkeit, imAlltag scharf zwischen gewohnter Welt und Erlebniswelt zu trennen. Wofängt ein Erlebnis an, wo hört es auf? Zu untersuchen wäre somit auch,ob die anderen Gefühle, die uns Eventmanagement oder Eventmarketingvermitteln wollen, tatsächlich als so anders wahrnehmbar sind: Fühle ichmich wie im Mittelalter, wenn ich das Foltermuseum der Burg Sommer-egg besuche? Fühle ich mich wie in Griechenland, wenn ich Gyros mitMetaxasauce koche? Fühle ich mich wie in den Alpen, wenn ich im 640Meter langen Alpincenter in Bottrop( Ruhrgebiet) eine Schiabfahrt untereinem Hallendach genieße?

Für die kulturwissenschaftliche Analyse stellt sich dementsprechend dasProblem, ob es überhaupt möglich ist, mit Begriffen wie Erlebnisgesell-schaft, Erlebnisindustrie oder Erlebniswelt" wesentliche Phänomene

32