Visum in verschiedene südosteuropäische Staaten fahren und auchsonst eine weitgehend perfekte Infrastruktur der Kommunikationnutzen können, gilt dies umgekehrt nicht. So wie es schwierig fürbulgarische Wissenschaftler/ innen ist, ohne große Aufwände in denGenuss eines Visum für die Schengen- Staaten zu gelangen, soschwierig ist es für sie auch, über geographische Entfernungenhinweg zu kommunizieren. Fax und Briefe mit einer bulgarischenAdresse sind für uns finanziell kein Problem, umgekehrt ist es dasschon.
Diese Strukturen, die auch und gerade Machtverhältnisse sind,drücken sich nicht zuletzt im Alltag der Wissenschaft, in den unmit-telbaren Begegnungen und Gesprächen zwischen Bulgar/ innen undÖsterreicher/ innen massiv aus. Jede Begegnung zwischen einembulgarischen und österreichischen Wissenschaftler oder Studieren-den ist, bevor es überhaupt zu einem ersten Kontakt kommt, immerschon vorstrukturiert. Umgekehrt drücken sich Machtverhältnissenicht nur in den Begegnungen aus, sondern sie werden immer wiederauch gerade durch diese reproduziert. In dem strukturenschaffendenCharakter aller zwischenmenschlichen Begegnungen liegt damitaber auch ein nicht zu unterschätzendes Veränderungspotenzial.Das heißt: Durch die Art und Weise, wie man die gemeinsameKommunikation gestaltet, könnte man die Machtstrukturen zumin-dest ein wenig entschärfen. Eine Reflexion und Offenlegung diesergemeinsamen Alltagskultur von österreichischen und bulgarischenWissenschaftler/ innen könnte womöglich ein Schritt sein, um einwenig mehr in die Richtung eines gleichberechtigten Dialogs zugelangen.
Ich möchte im Folgenden die Relevanz politischer und ökonomischerStrukturen für die Begegnung österreichischer und bulgarischer Wis-senschaftler/ innen auf Basis eigener Erfahrungen verdeutlichen. InsZentrum dieser( meiner) Erfahrungen möchte ich ein historisch- an-thropologisches Seminar stellen, das alljährlich im Februar stattfindetund das gemeinsam vom Programmbereich Historische Anthropolo-gie am Wiener IFF2, der Abteilung für Südosteuropäische Geschichteder Universität Graz und dem Internationalen Seminar für balkanisti-sche Studien der Universität Blagoevgrad organisiert wird.³ Für je-
2 Aufgrund der Länge verbanne ich den kompletten Namen des IFF in die Fußnote:Interuniversitäres Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Uni-versitäten Klagenfurt, Wien, Innsbruck und Graz.
3 Weitere Kooperationspartnerinnen( und nicht zuletzt Geldgeberinnen) sind u.a.-regelmäßig- die Außenstelle Sofia des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts, die in der Person Sigrid Berkas( und mittlerweile Reinhold Jawhari) stetsund über Bansko hinaus den historisch- anthropologischen Austausch zwischenÖsterreich und Bulgarien intensiv fördert sowie- partiell- die Gruppe Wissen-schaftsförderung der Stadt Wien.
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