Druckschrift 
Bulgarisch-österreichisches Kolloquium Europäische Ethnologie an der Wende : Perspektiven - Aufgaben - Kooperationen ; Referate der 1. Kittseer Herbstgespräche vom 10. bis 12. Oktober 1999 ; anläßlich der Jahresausstellung "Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren - Historische Kalenderbräuche aus Bulgarien" vom 20. Juni bis 1. November 1999 in Schloß Kittsee
Entstehung
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das Oeuvre von Felix Philipp Kanitz- als westeuropäisch inspiriertes,, Imagining the Balkans" bezeichnet hat.

Dieses von außen kommende Imagining the Balkans" ist nichtunwidersprochen geblieben. Der Berliner SüdosteuropahistorikerHolm Sundhaussen etwa hat korrigierend die Bereitschaft einheimi-scher Intellektueller zur Übernahme dieser, Balkan"-Inhalte unterstri-chen56- und das Wirken von Ivan Šišmanov oder anderen Vertreternder bulgarischen Volkskunde bestätigt dies ebenso wie die schnelleinsetzende Propagierung gängiger Bulgarien- Bilder. Denn Bulgari-en zeigte sich- gefördert auch durch seine, moderne" Volkskunde-als ein vom Westen" noch kaum verändertes, archaisch-" östliches"Land, dessen Bevölkerung- in nationaler Unverfälschtheit- orna-mentale Volkskunst und bunte Trachten in noch großer Zahl besaß.Dass dieses altertümliche, volkskulturell geprägte Bulgarien- Bild bisin die Gegenwart weiter transportiert wird 57- und die in Kittsee 1999gezeigte Ausstellung über die bulgarischen Kalenderbräuche 58 kannals Beleg dienen- mag erstaunen, lässt aber auch ein weiteres Maldie Rolle der Volkskundler in den Vordergrund treten.Österreichische Volkskundler dies ist bereits erwähnt wordenhaben an der wissenschaftlichen Entdeckung" des europäischen Ostens" 59 und des( damit verwandten) Balkans" maßgeblichenAnteil gehabt; und gewissermaßen verdankt das Fach sein Entstehensogar diesen Prozessen kultureller Imagination. Der Wiener Sozi-alanthropologe Andre Gingrich hat in diesem Zusammenhang inAnlehnung an Edward Said nicht zu Unrecht von einem in derHabsburgermonarchie volkskulturell verankerten, doch auch in deneinschlägigen Wissenschaften schnell populär werdenden frontierorientalism" gesprochen.60 Die Frage freilich ist weiter zu stellen:

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56 In kritischer Lesart vgl. Holm Sundhaussen: Europa balcanica. Der Balkan alshistorischer Raum Europas. In: Geschichte und Gesellschaft 25, 1999, S. 626-653.57 Die kommunistische Folklore- Politik Bulgariens hat diese Repräsentationsstrategieweitergeführt; um nur zwei Beispiele zu nennen- M. G. Veleva, E. I. Lepavtsova:Bulgarian Folk Costumes. Sofia 1979; Ivan Koev: Zehn Jahre bulgarische Ethno-graphie. In: Wissenschaftliche Informationen zur Volkskunde, Altertumskunde undKulturgeographie aus dem östlichen Europa, H. 5, München 1959, S. 5-16. Dortfinden sich mehrere solcher im Ausland gezeigten Volkskunst- Ausstellungen auf-gelistet. Zu ihrer intendierten Binnenwirkung sei ein Besucher angeführt, der in einGästebuch einer Ausstellung im Jahre 1951 schrieb: Ich ging als Bürger hinein undverlasse die Ausstellung als Bulgare."( S. 15)

58 Veronika Plöckinger, Matthias Beitl( Hg.): Zwischen dem Sichtbaren und demUnsichtbaren. Historische Kalenderbräuche aus Bulgarien. Begleitbuch zur Jah-resausstellung 1999(= Kittseer Schriften zur Volkskunde 10). Kittsee 1999.

59 Vgl. Reinhard Johler: Eine Ost- West- Ethnographie. Volkskundliche Perspektivenauf Europa. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde( im Druck).

60 Andre Gingrich: Frontier Myths of Orientalism. The Muslim World in Public andPopular Cultures of Central Europe. In: Bojan Baskar, Borut Brumen( eds.): MESS,Vol. II, Ljubljana 1998, S. 99–127.

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