Druckschrift 
Bulgarisch-österreichisches Kolloquium Europäische Ethnologie an der Wende : Perspektiven - Aufgaben - Kooperationen ; Referate der 1. Kittseer Herbstgespräche vom 10. bis 12. Oktober 1999 ; anläßlich der Jahresausstellung "Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren - Historische Kalenderbräuche aus Bulgarien" vom 20. Juni bis 1. November 1999 in Schloß Kittsee
Entstehung
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Iván Sismanov" in Ungarisch herausgegeben worden. Dabei hatte-so der ungarische Volkskundler Anton Herrmann( 1851-1926) ineiner Rezension- ,, die bulgarische Regierung in liberalster Weise dieHand zur Schaffung dieses Buches[ geboten], des grössten in derungarischen Litteratur, das sich mit der Folklore eines fremden Volkesbefasst." Und Herrmann zu den kulturpolitischen Zielen dieser Ver-öffentlichung- wie überhaupt der staatlichen Förderung der Volks-kunde in Bulgaren- weiter: Es scheint uns seitens der Führer desbulgarischen Volkes ein bedeutsames Zeichen politischer Reife undklaren Einblickes in die Tiefen des Völkergedankens, dass sie jetzt,am Beginn der zweiten Epoche der nationalen Selbstständigkeit dasStudium ihres Volkstums so sehr in den Vordergrund treten lassen.Sie scheinen es gar wol zu wissen, dass das der sichere Ausgangs-punkt, die feste Grundlage für die organische Entwicklung der natio-nalen Kultur ist, die Vergangenheit ein verlässlicher Wegweiser in dieZukunft, der im Ethnischen sich offenbarende Volksgeist ein tiefgreifender Factor der nationalen Politik. Die bulgarische Regierungselbst lässt durch einen der hervorragendsten Vertreter der moder-nen Kultur, den Sectionsschef im Kultusministerium, Dr. Ivan D.Sismanov den Sbornik redigieren, eine grossartige wissenschaftlicheSammlung zur bulgarischen Landes- und Volkskunde, mit eminentethnographischer Färbung."

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Das ungarische Interesse an einer solchen umfangreichen Überset-zung und Herausgabe wurde von Herrmann mit der Ost- West- Mitt-lerfunktion des Landes- und mit einigem Pathos- begründet: Um-somehr aber die ungarische Nation, deren aufrichtige Sympathie füralle wahren und edlen Freiheitsbestrebungen die Leiter des bulgari-schen Volkes wol zu würdigen wissen, die dessen bewusst sind, dassdas Eindringen in die bulgarische Volkspsyche nur geeignet ist, dieseSympathien zu stärken." 36 Freilich dürften andere Gründe für diesesInteresse an Bulgarien bedeutsamer gewesen sein: Das multinatio-nale Ungarn sah sich in einer gewissen Nachbarschaftsbeziehung,hatte selbst eine kleine bulgarische Minderheit 37, und zudem warenin intellektuellen Kreisen auch sonst so manche historischen undkulturellen, Analogien" 38 zu den Bulgaren ausfindig gemacht worden.Doch tatsächlich ausschlaggebend war die Freundschaft zwischen

35 Anton Herrmann: Rezension von Bolgár népköltési gyüjtemény. In: EthnologischeMitteilungen aus Ungarn 2, 1890-92, S. 182 f.

36 Ebd.

37 Wolfdieter Bihl: Notizen zu den ethnischen und religiösen Splitter-, Rest- undSondergruppen in den Habsburgischen Ländern. In: Die Habsburgermonarchie1848-1918. Die Völker des Reiches, 2. Teilband, Wien 1980, S. 949-974, hierS. 966 f.

38 B. Munkácsi: Analogien alter bulgarischer und magyarischer Volksbräuche. In:Ethnologische Mitteilungen aus Ungarn 5, 1896, S. 221-222.

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