Druckschrift 
Bulgarisch-österreichisches Kolloquium Europäische Ethnologie an der Wende : Perspektiven - Aufgaben - Kooperationen ; Referate der 1. Kittseer Herbstgespräche vom 10. bis 12. Oktober 1999 ; anläßlich der Jahresausstellung "Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren - Historische Kalenderbräuche aus Bulgarien" vom 20. Juni bis 1. November 1999 in Schloß Kittsee
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

ne hinaus auf das andere jenseits der Grenze. Wenn wir in diesemUmfeld eine, Ethnographie ohne Grenze" fordern, so spielt bei diesergemeinten Zukunftsorientierung wesentlich die Rückbesinnung aufdie Anfänge und die Geschichte unserer Disziplin der europäischenVolkskunden und der- groß geschrieben!- Europäischen Volkskun-de/ Ethnologie herein.

-

So galten diesbezüglich die Reflexionen des 5. Internationalen Kon-gresses der SIEF- Société Internationale d'Ethnologie et de Folk-lore 1994 in Wien namentlich dem Forschungskonzept einer dienationalen Volkskunden übergreifenden Ethnologia Europaea. DenDiskurs über Das ethnographische Paradigma und die EthnologiaEuropaea" hat damals Konrad Köstlin eröffnet8; und hinführend aufdie fachgeschichtliche Stellung Österreichs hat Reinhard Johler ,, DasEthnische als Forschungskonzept. Die österreichische Volkskundeim europäischen Vergleich" beleuchtet. Im Konnex mit regionalembzw. nationalem Denken und den im späten 19. Jahrhundert sichaufladenden Nationalismen einerseits und der Entstehung der durchdie Verfasstheit der jeweiligen europäischen Staaten dazumal beein-flussten jeweiligen Volkskunden andererseits ist die im Gegensatzdazu ursprünglich auf den Gesamtstaat des Vielvölkerreiches bezo-gene österreichische Volkskunde in Konkurrenz zu den anderennational geprägten Volkskunden getreten. Gerade aus heutigereuropäischer und nationalskeptischer Sicht", so vermerkt es Rein-hard Johler ,,, weckt die anfänglich vor- bzw. antinational erscheinen-de Zugangsweise der österreichischen Volkskunde erneut von Inter-esse. Sie hatte den gesamten Monarchieteil( die so genannte cisleit-hanischen Reichshälfte) zum vergleichend studierten Untersu-chungsgebiet genommen." Die beiden eingangs exemplarisch er-wähnten Einzelprojekte unseres Museums haben zu erkennen gege-ben, wie sich auf dieser historischen Grundlage eine neue, Ethno-graphie ohne Grenzen" erstellen lässt.

Indes die Wissenschaftsgeschichte der einzelnen europäischenVolkskunden zeigt auch auf, dass das Konzept der frühen österrei-chischen Volkskunde nicht unbedingt originär war: Es ähnelte Model-len der Schweizer oder der ungarischen Volkskunde. Und Bernd

8 Konrad Köstlin: Das ethnographische Paradigma und die Ethnologia Euroapea. In:Klaus Beitl und Olaf Bockhorn( Hg.): Ethnologia Europaea. 5. Internationaler Kon-greẞ der Société Internationale d'Ethnologie et de Folklore( SIEF) Wien, 12.-16.9.1994. Plenarvorträge(= Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde derUniversität Wien, Band 16/ II). Wien 1995, S. 9-29;- Konrad Köstlin: Vorwort. In:Europäische Ethnologie. Leitfaden für Studierende& Kommentiertes Vorlesungs-verzeichnis Sommersemester 2000.(= Institut für Europäische Ethnologie derUniversität Wien, 10. Ausgabe). Wien 2000, S. 3-5.

9 Reinhard Johler: Das Ethnische als Forschungskonzept: Die österreichische Volks-kunde im europäischen Vergleich. In: wie Anm. 8, S. 69-101.

10