Austria zwischen Aphrodite und Othello
Der österreichische Beitrag im Rahmen friedenserhaltenderOperationen der Vereinten Nationen auf Zypern 1964-1997
Wolfgang Etschmann
Bei der Lektüre von Lawrence Durrells Erlebnisroman Bittere Limonen,der die politische Situation auf Zypern in den fünfziger Jahren treffendbeschreibt, erscheint diese Insel einerseits als ein weitgehend fremdar-tiges Gebiet an der Südostflanke Europas, andererseits als Der ferneSpiegel( so der Titel eines Buches von Barbara Tuchman), der Krieg undFrieden, Konflikt und Ausgleich von der Bronzezeit bis in unsere heutigenTage wiedergibt. Immerhin kann festgestellt werden, daß der bis heuteandauernde Zypern- Konflikt nicht nur ein Spannungsfeld innerhalb desNATO- Bündnisses, sondern ein Sicherheitsproblem für ganz Europa imöstlichen Mittelmeerraum darstellt.
Nach der Beendigung des bewaffneten Kampfes, den die Untergrundor-ganisation EOKA seit 1955 unter Georgios Grivas gegen die Verwaltungder britischen Kronkolonie geführt hatte, wurde die politische Integrati-onsfigur Erzbischof Makarios III. 1960, im Jahr der Unabhängigkeit,Präsident einer Republik, deren politische Struktur durch komplizierteVerträge( London und Zürich) bestimmt war und die zukünftige Span-nungen weitgehend verhindern sollte.
Im Dezember 1963 aber begannen blutige Unruhen zwischen radikalenparamilitärischen Gruppen der griechischen und der türkischen Zyprio-ten, die das Land rasch an den Rand des offenen Bürgerkrieges brachtenund zudem die Interessensgegensätze der USA und der Sowjetunion inder Phase des Kalten Krieges bloẞlegten.
Die Resolution 186 des Sicherheitsrates der UN schlug daher am 4. März1964 die Einrichtung einer Friedenstruppe auf Zypern, mit dem Einver-ständnis beider Streitparteien, vor. Bereits am 13. März 1964 waren zweiBataillone ein britisches und ein kanadisches- unter dem Kommandodes indischen Generals P. S. Gyani für die UN- Friedenstruppe UNFICYP( United Nations Forces in Cyprus) im Einsatz; im April folgten je einschwedisches, ein finnisches und ein irisches Bataillon, im Mai eindänisches Bataillon und ein österreichisches Feldlazarett( AFH- Austrian
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