Druckschrift 
Das Blatt im Meer : Zypern in österreichischen Sammlungen ; Begleitbuch zur Sonderausstellung vom 26. April bis 2. November 1997 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee
(Burgenland)
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

Österreichisch- ungarische Tiefseeforschung im

Levantinischen Mittelmeerbecken

Günther Schefbeck

1. Einleitung

Zypern, die drittgrößte Insel des Mittelmeeres, liegt im nordöstlichen Teildes Levantinischen Mittelmeerbeckens, des östlicheren der beidenHauptbecken des östlichen Mittelmeeres. Vom westlicheren lonischenBecken ist das Levantinische Mittelmeerbecken getrennt durch jeneRegion geringerer Tiefen zwischen Kreta und der nordafrikanischenKüste, wo der große Mittelmeerische Rücken, die als Folge des Aufein-anderprallens der Afrikanischen und der Eurasischen Platte entstande-ne, sich in mächtigem Bogen westöstlich hinziehende geomorphologi-sche Hauptformation des östlichen Mittelmeeres, stärker emporgehobenist als westlich oder östlich davon und wo das Grabensystem, dasnördlich des Mittelmeerrückens dem Kretischen Inselbogen vorgelagertist, nicht jene Tiefen erreicht wie weiter nordwestlich im HellenischenTrog und weiter nordöstlich im Strabograben und im Rhodosgraben. DieInsel Zypern, umkränzt von der Levantinischen Tiefsee- Ebene im Süd-osten, vom flachen Adanabecken im Nordosten, vom Antalyabecken imNordwesten und von den Ausläufern des Mittelmeerrückens im Südwe-sten, bildet einen Vorsprung der Eurasischen Platte und einen aktivenPlattenrand, Schauplatz der Kollision der Platten und der Subduktion desMeeresbodens.1

Nicht nur die Insel Zypern selbst ist immer wieder Ziel von Forschungs-reisen und Forschungsobjekt österreichischer Wissenschaftler gewe-sen, auch das Levantinische Mittelmeerbecken, aus dem sie hervorragt,ist von einer österreichischen Expedition erkundet worden, die hierPionierarbeit geleistet hat: Als im Jahre 1892 die dritte österreichisch-ungarische Tiefsee- Expedition in das Levantinische Meer entsandt wur-de, wiesen dessen Seekarten nur zwei Sondenlinien auf, die im Zugevon Kabellegungsarbeiten von Alexandrien nach Rhodos bzw. nachZypern angelegt worden waren. Die Seekarten der Syrischen und derKaramanischen See sowie des Kanals von Zypern zeigten, von denKüstengewässern abgesehen, überhaupt keine Tiefenangaben. Waren

39