Die archäologischen Funde aus Zypern in derAntikensammlung des Kunsthistorischen Museums
in Wien
Alfred Bernhard- Walcher
Die Lage Zyperns am Kreuzweg der Kulturen von Europa, Asien undÄgypten hat die Geschichte der Insel durch Jahrtausende geformt. Trotzaller Wirkungen, die in wiederholten Schüben von den hochentwickeltenNachbarkulturen des Orients Glossar ::: zum Glossareintrag Orients und des Westens ausgingen, bewahrteZypern für lange Zeit seinen Sondercharakter, in dem Fremdes undNeues immer wieder zu einer eigenen Tradition umgeformt wurde, undentwickelte daraus eine vielfältige, eigenständige Kultur.
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Der Reichtum einer neuntausendjährigen Geschichte weckte schon frühdas Interesse von Reisenden und Schatzgräbern an der Insel, und sobegann um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Erforschung der Vorge-schichte auch in Zypern zunächst mit dem unsystematischen Durchwüh-len des Bodens nach Kunstschätzen und antiken Hinterlassenschaften.Vor allem die in Larnaka ansässigen diplomatischen Vertreter der Groß-mächte wie General Luigi Palma di Cesnola als amerikanischer undrussischer Konsul, der englische Konsul Sir Robert Hamilton Lang oderder französische Konsul Georges Colonna- Ceccaldi- führten mit Er-laubnis der Hohen Pforte( Ferman) auf der ganzen Insel Ausgrabungendurch; ihre Häuser, die sog. kousoulata, waren die ersten archäologi-schen Sammlungen in Zypern, deren Bestände aber rasch an reisendePrivatsammler und an Museen in Europa und Amerika verkauft unddadurch zerstreut wurden. Der englische Konsul in Rhodos berichteteum 1860 über die Zustände auf Zypern:„ Es gibt hier keine Sammlungenan Altertümern, sie wurden immer an Reisende aus England, Frankreichund Deutschland verkauft, sobald man sie fand." 1
Da die archäologischen Aktivitäten der Diplomaten immer mehr denCharakter eines Wettbewerbes annahmen, erließ die osmanische Re-gierung 1874 ein erstes Gesetz zum Schutz der Altertümer, das Fund-teilung und Ausfuhrgenehmigung regelte. Dadurch mußte ein Teil derGrabungsfunde an das Ottomanische Museum in Konstantinopel abge-treten werden, eine Ausfuhr der restlichen Funde aus Zypern war nur miteiner besonderen Genehmigung gestattet. Erst nachdem im Jahre 1878
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