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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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cher Daten. Doch gerade diese sind vom Forschungsstand ihrerZeit empfindlich abhängig, wie hier die Anthropologie, so daßmanche Aussage dem heutigen Betrachter als völlig unzutref-fend oder einer Ideologie verhaftet erscheint. Damit bezeugtjedes Werk die Grenzen seiner Zeit.

Eine Auflistung der Mitarbeiter enthält etliche nam-hafte Wissenschaftler und Schriftsteller, aber auch engagierteund verläßlich arbeitende Gymnasiallehrer. Die Auswahl derAutoren sowie der bildenden Künstler wurde auch nach demKriterium ihrer Nationalität getroffen. Jedes Kronland sollteseinen eigenen Beitrag leisten. Die Enzyklopädie gestaltete sichsomit zur jeweiligen Selbstdarstellung der einzelnen Länder.Das hatte sicherlich zur Folge, daß der Anspruch des Kronprin-zen nach Wahrhaftigkeit zwar gewahrt, Mängel aber nur sehrmoderat artikuliert wurden. Es hing außerdem von der Persön-lichkeit des Autors ab, wie deutlich er seine Kritik werden ließ.Vorhanden war sie. Allerdings wurde sie mit der Hoffnung aufLernfähigkeit und Verbesserung der Umstände ausgeglichen.Umgekehrt war weder von dem Forum noch von den An-sprüchen des Werkes auf Dauerhaftigkeit zu erwarten, daß einVolk sich völlig zu seinem Nachteil einbrächte. Die ethnischenMinderheiten und niederen sozialen Schichten kamen nichtselbst zu Wort. Ein Werk dieser Dimension war nicht der Ortzum Austragen sozialer Konflikte, zumal auch die neuen politi-schen Parteien, wie die Sozialisten, sich erst ausbildeten.

Es war nicht die Absicht des Kronprinzen, sich mitseiner Ethnographie in aktuelle politische Fragen einzulassen.In einer Zeit der rivalisierenden Nationalismen wollte er denVölkern die nötige Achtung erweisen. Er bot mit diesem Werkeine Plattform, um die Individualitäten der Völker mit ihren Ei-genheiten einander näher zu bringen und auch ihr Selbstwert-gefühl zu stärken. Die österreichisch- ungarische Monarchie inWort und Bild" ist eine offiziöse Publikation mit dem Anspruchwissenschaftlicher Seriosität und Objektivität. Es fehlt wohl einwissenschaftlicher Apparat( auch Kartenwerke), es gibt keineRegister und Bibliographien, doch im laufenden Text wirdohne zu zitieren- auf die jeweiligen Fachautoritäten verwie-sen. Das Kronprinzenwerk ist eine politische Ethnographie"und Landeskunde, die historische Ursachen und Bedingungenfür das damals gegenwärtige" Leben in ihren Horizont einbe-zieht und die an die politischen und nicht an die ethnischenGrenzen gebunden ist. Es beschreibt die eher statischen Mo-mente des Volkslebens( wie Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, Kleidung, Haus- undSiedlungsformen, bäuerliche Geräte etc.) und trachtet nichtnach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, es ist Ethnogra-phie und nicht Ethnologie. Es setzt Standards und kann imRahmen seiner Zeit bis heute als gediegene Grundlage für eth-nographische Vergleiche herangezogen werden. Jene Aspektedes Volkslebens( der Volkskunde), die stärker dem Wandel, derDynamik unterliegen, wie Landwirtschaft und Viehzucht, Jagd,Fischerei, Forstwirtschaft etc. werden unter dem Gesichts-punkt des Einkommens zu dem großen Kapitel Volkswirt-schaftliches Leben zusammengefaßt und sind, wenn auch de-zent, sozialer Kritik ausgesetzt.

Obwohl es in den achtziger Jahren des 19. Jahrhun-

derts auch andere ähnlich gelagerte Publikationsunterneh-mungen gab, nämlich Die Länder Österreich- Ungarns in Wortund Bild"( hrsg. von Friedrich Umlauft. 15 Bände. Wien, Verl.Graeser, 1879-89) und Die Völker Österreich- Ungarns"( eth-nographische und kulturhistorische Schilderungen in 12 Bän-den. Wien u. Teschen, Verl. Prochaska, 1881-85), war diesesUnternehmen das weitaus wichtigste, informativste und brei-tenwirksamste.

Als ,, Wegbereiter" des Kronprinzenwerkes wäre auchKarl von Czoernig zu nennen, der Direktor der kaiserl. königl.Statistik. Er gab bereits 1855-1857 das dreibändige Werk ,, Eth-nographie der Oesterreichischen Monarchie" heraus. Ihmkommt das Verdienst zu, mit einigen Mitarbeitern das Materialfür die erste große ethnographische Karte der Monarchie erho-ben und ediert zu haben. Er konnte dabei auf keinerlei Vorar-beiten zurückgreifen, denn selbst die ethnographische Wis-senschaft befand sich noch in den ersten Stadien ihrer Ent-wicklung".( K. Czoernig, Bd. 1/ 1,1857, S. VI) So bot er in seinemMaterial eine reiche Fülle historischer, statistischer und verwal-tungstechnischer Daten zu den einzelnen Ethnien, aber keineAusführungen monographischer Art.

Eine ganz besondere Situation stellt das Heranzie-hen der großteils einheimischen Künstler zur Illustration desKronprinzenwerkes dar. In einer Zeit, da die Photographie be-reits genügend gut entwickelt war und die Ethnographie siemit Vorliebe für vermeintlich objektive Wiedergabe fremderPorträts und fremden Geschehens einsetzte, kann man die Tat-sache der bildlichen Darstellung durch Malerei oder Zeich-nung nur als besondere Sorgfalt und Sensibilität werten. Eswurden, wie im Falle Galiziens, nicht nur gute, sondern viel-fach erstklassige Künstler zur Mitarbeit gewonnen. Vermutlichsollte auch damit die große schöpferische Leistungsfähigkeiteines Volkes gewürdigt werden. Wesentlich erscheint jedoch,daß ein Künstler aus dem Bewußtsein gewohnten, persönli-chen Erlebens schaffen kann. Sein Bild ist solchermaßen,, durchlebt" und überträgt Eindrücke, wie sie unmittelbar derEinheimische erfährt. Es vermittelt die Sicht von innen( von innerhalb der betreffenden Gemeinschaft).

Interessant erscheint, daß fallweise Photographienals Arbeitsvorlage für die künstlerische Darstellung herangezo-gen wurden. Ebenso wurden große Ölgemälde oder Aquarelleaus den Museen durch die Künstler kopiert und für den Druckin die Xylographie übertragen.

Obwohl man sich schon bei der Vergabe vonBildthemen nach Tunlichkeit für Künstler mit regionaler Um-welterfahrung entschied und für Bereisungsspesen aufkam,versorgte man die Mitarbeiter in der Regel auch noch mit Pho-tographien, an deren Sachauskunft sie sich... hielten,..." Wo esnicht so sehr auf die künstlerische Gestaltung ankam, wurdenPhotos direkt xylographiert.( Länder und Menschen vor derJahrhundertwende. Red.: Hans Pauer. 1969. S. 12 f.) Das Photobannt alle Details eines Originals flach auf das Papier, währendder Künstler abstrahiert und das Wesentliche plastisch zur Gel-tung bringt.

Für die ethnographische Analyse relevant erscheint

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