Druckschrift 
Internationale und nationale volkskundliche Bibliographien : Spiegel der Wissenschaft ; Volkskunde, europäische Ethnologie ; Referate der 2. Tagung der Arbeitsgruppe für die Internationale Volkskundliche Bibliographie (IVB) und zugleich des 4. Internationalen Symposions des Instituts für Gegenwartsvolkskunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vom 19. bis 21. April 1991 in Neusiedl, See (Burgenland)
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Bibliographische Aktivitäten in den Niederlanden undFlandern. Ein Kapitel aus der Geschichte der nieder-ländischen Volkskunde

Von Eveline Doelman

Die Ausübung der Volkskunde als unabhängige wissenschaftliche Diszi-plin sowie die theoretische Besinnung auf das Fach kamen in den Nieder-landen erst spät in Gang. Zu den Diskussionen, die während des 19. Jahr-hunderts vor allem in Deutschland, aber auch anderswo in Europa( z.B. inBelgien und der Schweiz) über die Eingrenzung, Methodik und Systematikder Volkskunde geführt wurden sowie den daraus resultierenden Versuchen,Quellenmaterial und Forschungsergebnisse bibliographisch zusammenzu-tragen, haben die Niederlande keinen Beitrag geleistet.'

Und doch war hier schon früh ein Interesse für die Eigentümlichkeitendes Landes, die Mittel zur Deckung des täglichen Bedarfs sowie die Bevöl-kerung und ihr Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum vorhanden. Das Bedürfnis, bestimmte Erkennt-nisse zu dokumentieren, ließ gegen Ende des 18. und während des gesamten19. Jahrhunderts eine große Anzahl von Beobachtungen über Land undRegionen, medizinische Topographien sowie zahlreiche agrarwissenschaft-liche Erhebungen und Beschreibungen entstehen. Sie wurden zu Beginn ausprivatem Interesse, später auch im staatlichen Auftrag zum ersten Mal aufder Grundlage eigener Wahrnehmung und mit Hilfe von Fragebogen zusam-mengestellt. Der Grundgedanke dieser Schriften war, daß sich durch einbesseres Verständnis der Arbeits- und Lebensumstände eine diesbezüglicheVerbesserung erreichen ließe, was letztendlich dem Staat zugute kommenwürde. Diese staatswissenschaftliche( beschreibende, geographische) Rich-tung hat sich in den Niederlanden jedoch nicht zu einer wissenschaftlichenDisziplin weiterentwickelt, wie dies in Deutschland der Fall war, wo sieunter der Bezeichnung Statistik oder Kameralistik einen großen Beitrag zurTheorie- und Methodenbildung der Volkskunde geliefert hat.²

2

1 Über die Geschichte der Volkskunde in den Niederlanden: J. J. Voskuil: Geschie-denis van de volkskunde in Nederland. In: Volkskundig Bulletin 10, 1984, 50-63; A. J. Dekker: Die Geschichte und Stellung der Volkskunde in den Niederlan-den, In: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 28, 1989/1990( in Druck).

2 H. van Koolbergen: Materiële cultuur. Huisraad, kleding en bedrijfsgereedschap.Zutphen 1988, 8- 9; G. Wiegelmann, M. Zender, und G. Heilfurth: Volkskunde.Eine Einführung. Berlin 1977, 12- 18, 100.

57