Die IVB- Fachsystematik und Gliederung
Ergebnisse der Tagung in Lilienthal 1990
Von Rainer Alsheimer
Unser Fach beschäftigt sich seit seiner akademischen Konstituierung mitdem großen semantisch sich stetig verändernden Begriff„ Kultur". DieGeschichte der Volkskunde, der Europäischen Ethnologie, der Folklore-um Quasisynonyma zu benennen, die sich auf dem Titelblatt der„ Interna-tionalen Volkskundlichen Bibliographie"( im folgenden IVB genannt) fin-den- ist folglich auch die Geschichte von sich ständig wandelnden Erkennt-nisinteressen, die wiederum durch unterschiedliche theoretische Positionenund deren methodische Werkzeuge geprägt werden.
Einigkeit ist wohl bei der Begrenzung unseres Faches am leichtesten zuerzielen im Hinblick auf die regionale Komponente: Wir befassen uns mitKultur in europäischen Gesellschaften, in europäisch beeinflußten Gesell-schaften und mit Kulturkontakten der Europäer zu anderen Gesellschaften.Die IVB als zentrale Bibliographie ist ein Spiegel unserer Wissenschaftund dazu schrieb Hermann Bausinger schon vor 20 Jahren¹:
. Wissenschaft- normalerweise stellt man sich das ungefähr so vor:Da ist ein Haus, von außen hat man es schon oft gesehen, und eine vageVorstellung hat man auch von dem, was drin ist. Aber nun schließt einer auf,führt durch die klar gegliederten Räume, erklärt die Anordnung und zeigtdie Ausstattung. Man geht durch alle Räume, durch fünf oder sieben oderauch zwanzig- und wenn man dies erledigt hat, ist man eingeführt: mankennt das Haus, auch wenn man nicht oder noch nicht ganz darin zu Hauseist." und weiterhin:
,, Schlägt man ältere volkskundliche Handbücher auf, so findet man eineEinteilung, die noch einheitlicher ist als die vieler anderer Wissenschaften.Fast immer beginnt die Darstellung mit Haus und Siedlung; es folgen dieanderen Äußerungen der materiellen Kultur- volkstümliches Mobiliar,Volkstracht, Hausgerät und Arbeitsgerät, Volksnahrung und ähnliches. Dannist von dem in sich wieder nach Lebensphasen und nach dem Jahresrhyth-mus gegliederten Volksbrauch die Rede; die Abschnitte über Volksfrömmig-keit und Volksglauben schließen sich an, und darauf folgt meist das weiteGebiet der mündlichen Überlieferungen- vom Volkslied bis zum Volks-1 Hermann Bausinger: Volkskunde. Von der Altertumswissenschaft zur Kulturan-alyse. Berlin u.a., Carl Habel,[ 1971], 7 f.
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