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Judastraditionen
Entstehung
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XIV. Die Formen des Judasbildes

Aus der Psychologie wissen wir: Schlüsselreize sind für eine Gruppe not-wendig, um daran eine Feind- oder Fremdgruppe erkennen zu können.Wenn solche Unterschiede nicht gegeben sind, so werden sie erfunden.Von ,, Rollenträgern" werden nicht nur gewisse Charakterzüge erwartet,sondern auch ein spezifisches Aussehen 516, d. h. für unseren Fall einsolches, das nicht die üblichen Merkmale der Christen aufwies( rotesHaar ,,, jüdisches Aussehen), da- eine Selbstschutzfunktionartiges leichter als Ähnliches gehaẞt wird 517.

Fremd-

Im Neuen Testament ist nirgends von einer physischen Andersartigkeitdes Apostels Judas die Rede, also mußte diese erfunden werden. Dabeihat man die folgenden Möglichkeiten ausgeschöpft:

1. Die Ausstattung des Judas mit Attributen; in der Kunst besonders seitder Gotik( Geldsäckel, roter Bart, feststehende Farbikonographie);nicht anders im Passions- und Volksschauspiel.

2. Die Isolierung; dies in den bildlichen Darstellungen vor allem vordem Spätmittelalter.

3. Die Verzerrung der Physiognomie, besonders in Gotik und Renais-sance; in Manierismus und Barock in der Körperhaltung.

4. Die Hypercharakterisierung, die nur in der spätgotischen und der ihrfolgenden Epoche üblich war( ein Anhäufen von negativen Attribu-ten, sei es in bildlicher Darstellung, sei es in der Überfülle der Be-schimpfungen, die Judas auf der Bühne oder im Schrifttum über sichergehen lassen muß, z. B. auch, wenn schon ein Pförtner an JudasGesicht alle die Übeltaten ablesen kann, die zu ihm gehören).

5. Die Psychologisierung als ein Mittel, Judas darzustellen und zu er-klären, in der neuzeitlichen Kunst und in den schriftlichen Quellender Neuzeit.

6. Die Steigerung von Negativa, das wäre also etwa die Überbetonungund Hinzufügung von Sünden, wie sie in seiner vita oder auf derBühne vorkommen.

516 Hofstätter, 7A. 8.

517 Cf. Allport( 1971), 367.

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