iscariota, cioè asino" 30.( Er wurde Iskariot genannt, d. i.„ Esel".) Auchjene Versifikation nennt ihn ,, Stultus" 31, dumm, obwohl gerade diese seineLegende Judas doch als gerissen und schlau zeichnet. Die Wortdeutungergibt sich also nur aus dem Bedürfnis, Judas, das als negativ beurteilteIndividuum, in eine beliebige, ebenso negative Kategorie einzuordnenohne Reflexion 32. Dem entspricht im Volksbrauch die Verwandlung desApostels in einen Narren: nach einem Beleg von 1790 zog Judas amGründonnerstag unter den Begleitern Christi mit Schellenkappe und Stabmit Schweinsblase( nebst dem obligaten Geldbeutel) in Agram ein, wobeier mit Kot beworfen wurde 33. Schellenkappe und Schweinsblase sindaber seit der vorchristlichen Antike die typischen Attribute der Narren-zunft 34.
Schon die Verwendung des Wortes Judas in Redewendungen und Zu-sammensetzungen der Alltagssprache legt, genauso wie die Deutungendieses Namens, die Bereiche klar, mit denen man Judas assoziiert: Ver-rat, Ärger, Teufel, Tod und Dummheit.
30 Baum( 1916), 567.
31 Lehmann, 266.
32 Die wissenschaftlich richtige Etymologie lautet: Mann aus Karioth inJudäa: Haugg, 77; cf. Lüthi, 39, 118s, 147s; Baum( 1916), 627ss; B. Gärtner:Die rätselhaften Termini Nazoräer und Iskariot, Uppsala 1957; ausführlichHalas, 1ss.
33 Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs I,Wien 1949, 163.
34 James Cleugh: Love locked out, London usw. 1963, 64s.
15