III. Verbreitung des Tatauierens.
III. Verbreitung des Tatauierens.
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Das Tatauieren ist, freilich in verschiedenem Maße, fastbei allen Völkern des Erdballs Sitte, und wo Forscher ihrenFuß hingesetzt haben, sei es bei den Insulanern des StillenOzeans, den Buschmännern Glossar ::: zum Glossareintrag Buschmännern der Kalahariwüste, den Indianern Glossar ::: zum Glossareintrag IndianernNordamerikas, den Berbern Nordafrikas oder den Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimosdes Nordens, überall fanden und beschrieben sie Menschen,die farbige Zeichen in ihre Haut einritzen ließen. Die ethno-graphische Literatur trug aus allen Winkeln der Erde Zeugnissefür die universelle Verbreitung der Sitte herbei, und es wäre einmüßiges Unterfangen, von neuem die gesamte Erdkugel abzu-wandern und ins genaue die Ausbreitung des Tatauierens beijedem Volk und jedem Stamm zu schildern. Was hier ver-sucht wird, ist nur eine gedrängtere Übersicht mit Hervorhebungder dem betreffenden Volke eigentümlichen Muster und derStellung, die das Tatauieren in seinem Gesellschaftsleben ein-nimmt. Auf lückenlose Vollständigkeit will dieses Kapitel alsodurchaus nicht Anspruch erheben.
Man stößt bei dieser Umschau vor allem auf das ehrwürdigeAlter dieser Sitte. In altägyptischen Gräbern will man Tatauier-instrumente gefunden haben( Fletscher), und daß die Assyrierder Sitte huldigten, beweist eine Stelle bei Lucian:„ Es tatau-ieren sich aber alle, die einen auf die Handgelenke, die andernauf den Hals, und daher tragen alle Assyrier Tatauierungen."Zahlreich sind die Stellen, die bei römischen und griechischenSchriftstellern auf das Tatauieren hinweisen. In seiner wert-vollen Studie über nordafrikanische Tatauierungen kommtCarton zum Schluß:„ Das Tatauieren scheint also ein in Afrikain das höchste Altertum, ja selbst in vorhistorische Zeiten zu-rückreichender Brauch zu sein", in welchem Sinne auch dieUntersuchungen Bertholons sprechen. Für die einstigen Be-wohner Japans hat Ono denselben Nachweis geführt und dasHerrschen der Sitte bei unsern europäischen Prähistorikern ver-suchte Dichelette aus Werkzeugen der paläolithischen Zeit zuerweisen. Zu gleichen Ergebnissen kommen Forscher überdie Eingeborenen der Südseeinseln( v. Luschan, Krämeru. a.), die Altperuaner und Altmexikaner( Pedro de Ciezade Leon, Reiß, Stübel, Joest u. a.).
Heute ist das Tatauieren auch bei den unzivilisierten Völkern