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Das Tatauieren : eine monographische Darstellung vom psychologischen, ethnologischen, medizinischen, gerichtlich-medizinischen, biologischen, histologischen und therapeutischen Standpunkt aus
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II. Technik und Zeremoniell des Tatauierens.

II. Technik und Zeremoniell des Tatauierens.

Je nachdem bei einem Volke das Tatauieren nur Spielerei,reines Verschönerungsmittel und bloßer kosmetischer Akt istoder die tieferen Regungen der Volksseele mit ihm verknüpftsind, je nachdem wird auch der Akt des Tatauierens mit ge-ringerem oder ausgesuchterem Zeremoniell umgeben.

Als primitivste Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivste Form muß wohl das Einritzen von Ruẞmittels Scherben bezeichnet werden. Professor Dr. OttoSchlaginhaufen hatte die Güte, mir eine Beschreibungdieser Sitte zur Verfügung zu stellen, wie er sie auf den Feni-Inseln in Melanesien 1908 beobachten konnte. Seine bisherunveröffentlichten Mitteilungen lauten:

Die Männer der Landschaft Muliama an der Ostküste vonSüd- Neu- Irland fand ich mit charakteristischer Gesichtstatau-ierung versehen. Nach ihrer Angabe pflegen die Muliamsleutenach den vorgelagerten Feni- Inseln zu fahren, um sich dort voneiner bestimmten alten Frau tatauieren zu lassen. Als ich imAugust 1908 die Feni- Inseln besuchte, um mich dort für vierWochen aufzuhalten, benutzte ich die Gelegenheit, um der vielaufgesuchten Tatauierkünstlerin einen Besuch abzustatten. Ichfand sie am 30. August 1908 als alte, gebrechliche Gestalt, diedes Gehens nicht mehr fähig war, in dem Dörfchen Waran-magan auf der Insel Ambitlé.

Die Manipulationen des Tatauierens spielten sich in fol-gender Weise vor mir ab: Die Alte, mit Namen Tinakiap, legteein Stück Harz des Galipnußbaumes auf vier Steine, zündetees an, legte eine Steinplatte darauf und überdeckte das Ganzemit Blättern des Brotfruchtbaumes*. Der Rauch, der sich ent-wickelte, schlug an der Steinplatte Ruẞ nieder; mit diesemwurde das Muster auf die Wange aufgezeichnet, dann faßte dieFrau die Gesichtshaut des zu tatauierenden jungen Mannes fort-schreitend zwischen zwei Finger ihrer linken Hand und machtemit einer in der rechten Hand gehaltenen Flaschenscherbekleine Einschnitte in die jeweilen gefaßte Hautfalte. Mit derRückseite eines Blattes des Kardaubaumes wurde das hervor-quellende Blut weggewischt und dann der Galipharzruß unddas Harz selbst eingerieben, bis die Blutung aufhörte. Die

Artocarpus incisa.