IV. Biologische Nebenerscheinungen beim Tatauieren.
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hält Preuschoff das Tatauieren bei Schulkindern für keineSeltenheit. Ähnliches stellt Lemke für Westpreußen fest. AusRumänien hat Minovici, aus Bosnien und der HerzegowinaTruhelka und Glück, aus Österreich Neumann, Mohl u. a.,aus Griechenland Ornstein, aus Kopenhagen Bergh das Vor-kommen der Sitte beschrieben.
Der Weltkrieg hat überall ein mächtiges Aufflackern desBrauches mit sich gebracht. Obwohl das Tatauieren in denmeisten Armeen und Marinen verboten war, wurde es von Sol-daten und Offizieren fast überall sehr lebhaft betrieben, teilsaus Langeweile und Nachahmungssucht, teils als Erinnerung anden Krieg oder einzelne Kriegsstätten. Eine solche Kriegs-erinnerung stellt Abb. 27 dar.
Den ausgedehntesten und kunstreichsten Bildern begegneteich auf den Körpern der in der Schweiz internierten französi-schen und deutschen Soldaten und Offizieren, die im Schützen-graben, hinterm Stacheldraht und im Lazarett manch lange Stundemit dieser Kunst vertrieben.
Die Technik der europäischen Tatauierung ist auf S. 30beschrieben.
Wer tatauiert in Europa? Neben wenigen wirklichen Pro-fessionisten, zum Teil aus Japan oder Birma stammend( Lue-decke), üben das Geschäft bei uns hauptsächlich stellenloseArbeiter und Handwerker, Zuhälter, Kuppler, Dirnen, Hand-werksburschen auf der„ Walze", Artisten in Zirkus und Varieté.Es ist leicht verständlich, daß diese Leute meist bei ihrer Arbeitdie einfachste hygienische Vorsicht vernachlässigen.
IV. Biologische Nebenerscheinungen beim
Tatauieren.
Das Tatauieren stellt im Prinzip eine Operation dar, beider die Haut in umfangreichem Maße verletzt wird, so daß demEintritt infektiöser Keime Tür und Tor geöffnet sind. Wirdnicht nach den Regeln der Asepsis dabei verfahren, was wohlnie der Fall ist, so treten mehr oder weniger lebhafte Ent-zündungen auf, deren Grad sich richtet nach der Zahl undLebenskraft der eingeführten Infektionsstoffe und nach derAusdehnung der Hautverletzung. Da häufig der Farbstoff mit