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Das Tatauieren : eine monographische Darstellung vom psychologischen, ethnologischen, medizinischen, gerichtlich-medizinischen, biologischen, histologischen und therapeutischen Standpunkt aus
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VI. Die Entfernung von Tatauierungen.

VI. Die Entfernung von Tatauierungen.

Der Krieg mit seinem raschen sozialen Aufstieg für vieleKreise hat die Nachfrage nach Entfernung von Tatauierungenin der letzten Zeit an vielen Orten reger aufleben lassen. Leute,die sich als niedere Arbeiter in früheren Jahren haben tatau-ieren lassen, wünschen nun, nachdem sie durch Arbeit, Glückoder Spekulation in höhere soziale Schichten gestiegen sindund jene Merkmale als peinliche Erinnerungen an die frühereGesellschaftsklasse empfinden, die Entfernung dieser Markenund finden dabei oft mehr Entgegenkommen beim gewissen-losen Kurpfuscher und Bader als beim Arzt.

Die Entfernung von Tatauierungen hat schon in der Me-dizin des Altertums eine Rolle gespielt. Da Sklaven und Be-siegte mit Vorliebe tatauiert wurden, suchten sie häufig nachMitteln, diese Marken unsichtbar zu machen. ScriboniusLargus, Arzt des Kaisers Claudius, schrieb in seiner Ab-handlung über Medizin ein Kapitel: Ad stigmata tollenda medi-camentum." Sein Rezept enthält als wirksamen BestandteilCanthariden, wirkt also durch Blasenziehen. Der griechischeArzt Aetius gab als erster Rezepte zur Nachtatauierung mitkaustischen Lösungen. Galen empfahl Ranunculus acris.Von alten Autoren seien außerdem erwähnt: Actuarius,Eros und Cinnamus.

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Eine ideale Entfernung der Tatauierungen müßte in derEntfärbung der Farbteilchen ohne Schädigung der Haut be-stehen. Dieses Ziel ist nun nicht erreichbar. ChinesischeTusche, der am meisten verwendete Farbstoff, ist kolloidalerKohlenstoff, dem chemisch nicht beizukommen ist. Kohlen-stoff läßt sich weder entfernen, noch lösen, noch oxydieren,ohne daß die umgebende Haut dabei schwer geschädigt wird.Mit der Entfernung der kleinen Kohleteilchen, die im Koriumeingebettet sind, ist immer auch eine mehr oder wenigerausgiebige Entfernung oder Zerstörung der Haut mit nachträg-licher Narbenbildung verbunden. Diese letztere möglichst un-auffällig, den Substanzverlust möglichst geringfügig, die Heilungrasch und schmerzlos, die Entfernung der Farbstoffe vollständigund sicher zu gestalten, darauf laufen alle Vorschläge hinaus,so verschiedenartig sie ihrer Natur nach sind. Es wurde zurEntfernung von Tatauierungen empfohlen: