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Das Tatauieren : eine monographische Darstellung vom psychologischen, ethnologischen, medizinischen, gerichtlich-medizinischen, biologischen, histologischen und therapeutischen Standpunkt aus
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VIII. Kosmetische Tatauierung am Auge.

VIII. Kosmetische Tatauierung am Auge.

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An keiner Stelle des Körpers wirkt schon eine kleine Ab-normität so verunstaltend wie am Auge. Zu den kosmetischenMaßnahmen, die mit Erfolg zur Korrektur solcher Unschön-Schonheiten benützt werden, gehört auch das Tatauieren.Galen verwandte ein wenn auch rohes Verfahren, weißeFlecken der Hornhaut schwarz zu färben. Die moderne Augen-heilkunde hat, fußend auf den ersten gelungenen Versuchenvon v. Wecker, Bader, Taylor, v. Reuß, Hirschberg u. a.,etwa seit 1870, die Operation des Tatauierens mit Erfolg aus-gebaut.

An der Umgebung des Auges wurde Tatauierung mit Tuschegebraucht zur Imitation fehlender Augenbrauen( Botwinnik)und fehlender Wimpern( Cofler). Ich selbst sah eine solchevon einem Laien eingestichelte Augenbraue und muß gestehen,daß die kosmetische Wirkung der blauen Punkte trotz tadel-loser Technik eine so schlechte war, daß der damit Beglücktesie wieder entfernt haben wollte. An den Wimpern dürfte dasResultat noch weniger befriedigen.

Bessere Erfolge brachte die Tatauierung am Augapfel selbst,und zwar kommen hier als Anzeigen in Betracht: Weiße oderhelle Flecken, sogenannte Leukome, oder Narben auf der Horn-haut, besonders falls sie vor der schwarzen Pupille oder voreiner dunkeln Regenbogenhaut liegen, Abrundung verzogenerPupillen, Verdeckung von Linsentrübungen oder in die Vorder-kammer luxierter Linsen, farbige Nachbildung der Regenbogen-haut, Ersatz der natürlichen Pigmente in Hornhaut und Binde-haut( Albinismus) und schließlich Imitation des ganzen Aug-apfels auf geschrumpften Augen als Ersatz einer Glasprothese.

Als Material benützten die alten Griechen getrocknetesPulver von Galläpfeln, das sie mit heißer Sonde auf den Fleckaufrieben und darauf Chalkanthos, d. h. stark eisenhaltigesKupfervitriol, aufträufelten. Es bildete sich ein färbender Nieder-schlag von gerbsaurem Eisen, d. h. Tinte( Hirschberg).

v. Wecker hat sich als erster auch für das Auge derchinesischen Tusche bedient, die sich rasch allgemein einbür-gerte. Erst in neuerer Zeit wurde sie von einzelnen Opera-teuren durch Lampen- oder Kerzenruß ersetzt( Holth, Blas-kovics). Von Tusche dürfen nur die feinsten Sorten genommen