> BLUMEN WISSEN VIEL ZU SAGEN...<
BARBARA KRAFFT
Der Titel des Aufsatzes ent-stammt der Neuauflage vonC.F. Bürger, Die Blumenspra-che. Ein Buch der Liebe undFreundschaft, Quedlinburgund Leipzig 1750, neu hg.von Michael Kurzer, Würz-burg 1995, und lautet voll-ständig:>> Blumen wissenviel zu sagen,/ Habenmanch verborgenen Sinn,/Und des Herzens reine Liebe/ War die erste Dichterin.<<
1 Zitiert bei: Thomas Delekat,Zum Muttertag- ein Straußaus dem Netz. In: Die Welt,13.5.2000, S. 1.
Es gibt kein idealeres Geschenk als Blumen. Von ihrer duftigenFrische geht etwas beglückend Lebendiges aus. Bezwingend durchnatürliche Anmut und Vielgestalt gefallen sie so gut wie jedem. Siemachen nicht dick. Sie setzen keinen Staub an, weil man sie nachschön durchblühter Zeit dankbar und reuelos wegwerfen darf. Siesind fast nie unpassend. Wer das» zuweilen antiquierte Image<< her-kömmlicher Sträuße ablehnt, bestellt sie heute bei Online- und E-Commerce- Schnittblumenunternehmen und findet sie» dank neuar-tiger Arrangements zu trendigen Lifestyle Accessoires aufge-
wertet<<. Sie bezaubern immer: von Flitter besprüht, mit blauerTinte vollgesogen, auf Treibholz oder Hühnernester montiert, mitMaschendraht, Lochblech und Sackjute anrührend umspielt. DasGeschmacksempfinden des Empfängers können sie nur in Extrem-fällen peinigen.
>> Man will etwas Persönliches weitergeben, das aber trotzdemnicht bloẞ materieller Natur ist«<, sagt eine Sprecherin der Öster-reichischen Blumenwerbung,» und Blumen sind für viele dieschönste Sprache, in der wir Anerkennung und Liebe ausdrückenkönnen.<<
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090 Das Reich der Blumenköni-gin. Sinnige Unterhaltung,einer von 4 geschlitztenBogen( 32 x 23 cm) mit aus-geschnittenen Pflanzen zumStecken eigener Arrange-ments. Kolorierte Lithogra-phie, um 1875. Die Num-mern verweisen auf eineListe botanischer Namenund symbolischer Deutun-gen. Für diese Abb. sind diebekanntesten Sinnblumen,zum Teil mit redendenNamen, zusammengestellt.
>> Ein tief verborgener Sinn liegt in den Blumen drin<
Sprache und Blumenwelt sind viele Verbindungen eingegangen.>> Durch die Blume« sagt man etwas, was nicht so»> unverblümt<< her-auswill. Üppig geziert, zu dunklem Sinn neigend, ist die» blumen-reiche«<< Rede, die aber auch zur» Floskel«( von lat. flosculus= Rede-blümchen) erstarren kann. Seit die Menschen in Analogien denken,um abstrakte Begriffe und Empfindungen zu versinnbildlichen, sindPflanzen Bedeutungsträger. Ihrem Blühen, Fruchten und Welkengleicht das Menschenleben in seiner Vergänglichkeit. Die Ausdeu-tung läßt sich von der äußeren Charakteristik einer Blume leiten,von markanter Form, von Farbe und Geruch, aber auch von ihrerHeil- oder Giftwirkung, vom Entstehungsmythos oder einfach vom
Produkt Muttertag
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