Jesuskinddarstellungen in der Wallfahrtsgraphik
Wallfahrten zum gnadenreichen Jesuskind
Zu allen Zeiten und in allen Kulturen suchten Menschen magische,wunderverheißende Orte auf, um Hilfe für ihre Anliegen zu erlangen, umBuße zu tun oder, um für die ihnen erwiesene göttliche Gnade zu danken.Pilgerfahrten zu religiösen Kultstätten findet man in allen höheren Religio-nen. Im Christentum galt die Wallfahrt ins Heilige Land, zu den Stätten desLebens und Leidens Christi als besonders erstrebenswert. Wer die be-schwerliche und gefahrvolle Reise nicht auf sich nehmen konnte, der pil-gerte nach Rom zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus oder zunäher gelegenen Grabstätten anderer früher Märtyrer. Hinzu kamen dieWallfahrten zu Orten besonderer Reliquienverehrung. Seit dem 5. Jahrhun-dert war die Verehrung von Kultbildern hinzugekommen, wobei die Wall-fahrten zu marianischen Gnadenbildern immer mehr an Bedeutung ge-wannen und viele regionale Kultstätten gegründet wurden.
Das Wallfahrtswesen erfuhr mit dem Vordringen der Reformationzwar einen großen Rückgang, erlebte im Barock aber wieder eine glanz-volle Blütezeit. Wallfahrten und Prozessionen zu regionalen und überregio-nalen Gnadenstätten im eigenen Land nahmen zu, da nun an den heimi-schen Wallfahrtsorten Ablaß erlangt werden konnte. In dieser Zeit werdenauch Jesuskindfiguren als Mittelpunkt von Wallfahrten nachweisbar. Davorist, abgesehen vom Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in der Weihnachtszeit, nur die beson-dere Verehrung des göttlichen Kindes in den klösterlichen Konventen be-kannt.
Die in den Wallfahrtsorten erworbenen Bildchen waren für denPilger ein Zeichen der Erinnerung und wurden den Daheimgebliebenengerne als Geschenk mitgebracht. Die kleinformatigen Ansichten der Gna-denbilder und Kultgegenstände, oftmals verbunden mit einer Darstellungdes Gnadenortes, wurden meist in den Gebetbüchern aufbewahrt oder andie Truhendeckel und Kastentüren geklebt. Waren die Bildchen„ geweihtund angerührt", wurde ihnen sogar die gleiche Kraft und Heilwirkung zu-gesprochen, wie den Kultgegenständen am Wallfahrtsort. Sie dienten derpersönlichen Andacht im eigenen Heim, wurden als Heil- und Abwehr-mittel verwendet, Kranken aufgelegt, aber auch den Toten in den Sarg mit-gegeben.
Jesulein- Wallfahrten in Österreich
Von den einst über zwanzig bekannten österreichischen Jesuskind-wallfahrtsstätten haben sich wenige erhalten, viele der einstigen Kultge-genstände sind verschollen. Die rigorosen Beschränkungen der josephini-schen Reformen führten zum Erlöschen etlicher Gnadenorte. In Wien blie-ben nur die Wallfahrten zum sitzenden Jesuskind mit dem Lamm bei denElisabethinen und zum Mannersdorfer Jesulein bei den UnbeschuhtenKarmeliten bestehen. Am bedeutensten sind heute wohl noch die Wallfahr-
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