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Gnadenreiches Jesulein : Jesuskindverehrung in der Andachtsgraphik ; Österreichisches Museum für Volkskunde im Gartenpalais Schönborn
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Hinterglasbilder mit Jesuskinddarstellungen

Die kleinen Andachtsbildchen sind zu Tausenden gedruckt worden,in einem Format, das leicht aufbewahrt werden konnte und aus einemMaterial, das die Jahrhunderte überdauerte. Sie wurden in Gebetsbüchern,Laden und Schuhschachteln aufbewahrt oder man befestigte die Bildchendirekt an den Kastentüren und Truhendeckeln. Die Hinterglasbilder hingenhingegen vornehmlich sichtbar in den Herrgottswinkeln der ländlichenStuben und in den Wegkapellen. Sie hatten, ähnlich den kleinen Andachts-bildchen, eine unheilabwehrende und beschützende Funktion zu erfüllen,etwa als Haussegen und Gewitterschutz. Ein oft vorhandenes Loch in denoberen Leiste gibt Zeugnis, daß zum Befestigen des Bildes an der Wandeinfach ein geschmiedeter Nagel durch den Rahmen geschlagen wurde.Beim Tausch gegen die später modern gewordenen Öldrucke und beiRenovierungsarbeiten gingen viele der fragilen Glasbilder verloren.

Die Hinterglasbilder waren hausgewerbliche Erzeugnisse und nichtbäuerlicher Herstellung. Wenngleich das Bauerntum des 18. und 19. Jahr-hunderts wohl den wichtigsten Abnehmerkreis der Hinterglas- undSpiegelbilder stellte, wurde diese Maltechnik auch für den Bildschmuck derKirchen, der Adels- und Bürgerhäuser, und für die Herstellung von Votiv-tafeln herangezogen.

Die serielle Hinterglasmalerei entwickelte sich vorrangig an Ortenmit vorhandener Glasherstellung, also in waldreichen Regionen, oder dort,wo bereits ein vergleichbares Kunstgewerbe bestand. Zu unterscheiden istdabei die von Augsburg ausgehende malerhandwerkliche Herstellung vonSerienbildern, die ursprünglich ein zunftgebundenes Gewerbe darstellte.Augsburg war somit nicht nur die Stadt des kleinen Andachtsbildes", son-dern auch der bürgerlich- städtischen Hinterglasmalerei. In Oberammergauund Murnau arbeiteten Hinterglaswerkstätten seit 1760 zwar in engemKontakt mit Augsburg, dennoch muß gerade hier bedacht werden, daß essich um zwei alte Kunstgewerbezentren mit eigener Handwerkstraditionhandelt.

Anders verhält es sich in den hüttennahen Werkstätten der waldrei-chen Gegenden Schlesiens, Böhmens, des Bayerischen Waldes und Ober-österreichs. Um die Transportkosten für die nötigen Rohstoffe zur Glasher-stellung, Holzkohle und Pottasche, niedrig zu halten, errichtete man dieGlashütten tief im unberührten Wald. Für die Bewohner der umliegendenGemeinden war die hausgewerbliche Hinterglasmalerei aufgrund der ge-ringen landwirtschaftlichen Nutzflächen dieser Gegenden ein wichtiger Er-werbszweig. Der böhmische Ort Buchers und Sandl in Oberösterreichgehören wohl zu den bekanntesten hüttennahen Produktionsstätten.

Für die hüttennahe Malerei hinter Glas wurde das billige, geblaseneTafelglas verwendet. Dazu mußten Hohlzylinder geblasen werden, die,längs aufgeschnitten, im Streckofen bei neuerlicher Erwärmung geglättetwurden. Danach wurden die Farben im Gegensinn der gewöhnlichenReihenfolge aufgetragen, wodurch spätere Korrekturen nicht mehr möglich

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