Druckschrift 
Gnadenreiches Jesulein : Jesuskindverehrung in der Andachtsgraphik ; Österreichisches Museum für Volkskunde im Gartenpalais Schönborn
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

Das Jesuskind

Die Geburt Christi

Herodes rief die Magier heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau die Zeitsagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Gehtund forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir,damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sichauf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort,wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von großer Freudeerfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nie-der und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold,Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.( Mt 2,7-11)

Wann wird dem Jesuskind größere Beachtung zuteil, als zur Weih-nachtszeit. Die Darstellung des Mysteriums um die Geburt unseres Heilan-des beschäftigte Laien wie Künstler. Die wechselnden Szenerien um dieGeburt Christi zeugen von einer steten Auseinandersetzung mit diesemEreignis über die Jahrhunderte hinweg. Sei es nun in orientalisch Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalisch- altrömi-scher Tradition, in welcher Maria als Himmelskönigin einen Palast be-wohnt, oder der vertraute Ruinenstall mit Ochs und Esel. Ob künstlerischoder volksverbunden, die Darstellungen offenbaren das tiefe Empfindender Menschen, das diesem Kind über Generationen zuteil wurde.

Über die genaue Entstehung des Weihnachtsfestes herrscht bis heutenoch ebenso Unklarheit, wie über den eigentlichen Geburtstermin Jesu.Die orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalischen Kirchen feierten zunächst die Geburt Christi am 6. Jän-ner, dem Tag der Epiphanie, gemeinsam mit der Ankunft der Magier, derJordantaufe und der Hochzeit zu Kana. Die Begehung einer kultischenWeihnachtsfeier am 25. Dezember ist sicherlich römischen Ursprungs unddürfte nach allgemeiner Meinung in der Mitte des 4. Jahrhunderts einge-führt worden sein. Als gesichert darf gelten, daß Papst Liberius im Jahre354 seine erste Weihnachtspredigt am 25. Dezember hielt, und seinen An-ordnungen zufolge, die Anbetung der Magier in der Westkirche als einzigesFestmotiv dem 6. Jänner vorbehalten blieb.

Die Schilderung des Evangelisten Lukas aufgreifend, zeigen dieDarstellungen der lateinischen Kirche das Kind in einem Stall in einerKrippe liegend. In der Ostkirche wird hingegen eine Felsenhöhle als Ge-burtsort angenommen. Im Jahre 386 gab der hl. Hieronymus den Auftragzur Darstellung der Geburtsgeschichte in der Kirchenkuppel über derGeburtshöhle in Betlehem und in Rom ließ Papst Liberius eine eigeneBasilika mit Krippenkapelle errichten. Von da an wurde es üblich, auf bild-lichen Darstellungen, dem altchristlich- abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländischen Typus des Ge-burtsbildes folgend, das in Windeln gewickelte Jesuskind in einem Korboder auf einem tischähnlichen Aufbau zu zeigen. Im 7. und 8. Jahrhundertdringt der byzantinische Typus in den Westen ein und beherrscht die Kunstbis zum 14. Jahrhundert. Folgedessen wird nun auch von der abendländi-schen Glossar ::: zum Glossareintrag schen Kunst das Thema der Maria als Wöchnerin auf einem Bett liegend,meist verbunden mit dem Bad des Jesuskindes, aufgegriffen.

12